Die Sünden des Koni of Ardez

 

Wenn Sie das Buch ruhig lesen wollen, überall und nicht am Bildschirm, kaufen Sie es doch bei www.lulu.com. Es ist erhältlich als Taschenbuch für nur ca 10 Euro. Einfach stöbern in den Büchern, unter Romance, Schweizer Bücher.

von Thierry Lachaux, übersetzt von Cyril Attenborough.

Alle Personen und Handlungen in diesem Text, der im primitivsten Mittelalter angesiedelt ist, sind,

wie uns Rahel Miller aus Boston sagt, rassistisch, antifeministisch und sogar antisemitisch

Pfui, sagt sie, und zwingt mich dazu es zu schreiben, sollte man alle an den Pranger stellen, diese Ritter, die ja scheint's von uns kultivierten Yankees nichts wussten! Und den primitiven Glauben hatten, Jesus sei von den Juden zu Tode verurteilt worden, wo ja jedes Schulkind in unserer hochkultivierten Nation weiss, dass die Palästinenser daran schuld sind!

Alle Personen sind wie gesagt frei erfunden.

Der Autor ist ein perverser Wirrkopf und übernimmt keine Verantwortung für die Handlungen seiner Personen. (Er ist in diesem Sinne sehr modern!)

Ich kenne den "Giovanni", will direkt zum 2. Teil, dem "Hendrik" gehen

Ich will zum 3. Teil, dem "Koni" gehen

 

Giovanni della Rocca nuevole

Ritter Koni hatte mich eingeladen. Ich bin Hans von Wolkenstein, ein Ritter von der Garnison des nachbarschaftlichen Schlosses von Thusis. Na ja, eigentlich heisse ich Giovanni della Rocca Nuevole. War lange in Italien. Ich bin bärtig, habe kurze blonde Haare, eine breite Brust. Eigentlich nicht ein Kriegertyp, trotz der Brust die sich für einen Winkelried geradezu eignen würde. Doch ich liebe Speerspitzen nicht, obwohl ich auch masochistische Ideen pflege. "Wieso kommen mir plötzlich so Ausdrücke, die erst Vierhundert Jahre nach meinem Tot geprägt wurden?" Werden meine Leser sich fragen. Dazu habe ich keine Antwort. Es muss in einer fiktiven Geschichte auch unerklärliche Ausdrücke geben. Und das wär's! Meine Brust hat ausser Tränen von schönen Jünglingen nie was empfangen.

Und alle wundern sich, wenn ich ihnen erzähle, das ich ein Held bin, ausgezeichnet vom Malteser Kreuz und dem Goldenen Löwen der Sforza. Ich hinke leicht auf einem Bein, dem Linken. Ein Jagdunfall, sage ich. Vor langer Zeit war das, in meiner Kindheit, sage ich den allzu Neugierigen. Ich erzähle immer, das ich Page war beim Grafen Hoheneck auf Burg Jagdstein im Tirol. Ich gehörte zum Jagdtross des Grafen. Schön war ich anzusehen, wie ich ritt auf dem Schimmel, den mir die Gräfin geschenkt hatte. In schwarze Pluderhosen sass ich auf dem goldenen Sattel, trug ein gelb-rot-blaues Gilet, und meinen langen schwarzen gelockten Haare hingen über die Schultern hinab. (Natürlich waren sie gefärbt dannzumal, frage nicht so blöd!) Den Wildeber hätte ich fast erlegt mit dem Jagdspiess, wäre da nicht ein tiefer Graben im Wege gewesen. Ich passte nicht gut auf, da ich gleichzeitig eine Jagdtrophäenmelodie auf meinem Jagdhorn spielte. Mein Pferd stolperte und schleuderte mich in den Graben. Ich blieb liegen. Der Eber war entkommen und die anderen jagten hintendrein und liessen mich schnöde liegen, weil sie mich sowieso nicht mochten. Ich lag auf dem Horn, das ganz zerbeult war, der Speer war mir aus der Hand geglitten. Ich konnte mich nicht erheben, denn der Oberschenkel war vom Pferd getroffen worden und gebrochen. Der Schimmel war ausgebrochen.

Und sie hätten mich liegengelassen. Bis ich verhungert wäre. Hätte mich nicht Fritz herausgeholt. Fritz, ein blonder rotbackiger Krauskopf, der mich immer so komisch anschaute, dass ich ihm immer aus dem Weg ging. Er hat mich gepflegt in einer Hütte und wir gingen nach Italien. Und ich liess ihn dann in Italien schnöde verwundet liegen auf dem Schlachtfeld.

Stimmt das? Ich weiss es selber nicht mehr recht. Doch das ist es eben. Geschichten muss man erzählen können wenn man ein Held werden will. Nach Italien bin auch gegangen. Aber unter anderen Umständen, was man vielleicht nicht so erzählen kann in guter Gesellschaft.

Doch das ist eine andere Geschichte. Ich erzähle sie jetzt, gerade anschliessend. Doch Ritter Koni's Verirrungen haben in mir gewisse Assoziationen wachgerufen. Und deshalb habe ich mich besonders interessiert für seinen Fall.

Na, das war's gewesen, seinerzeit, für meine Jagdambitionen. Gott sei Dank heilte mein Bein wenigstens zusammen. Aber das linke Bein blieb immer ein wenig kürzer als das andere. Seitdem hinke ich wie gesagt auf dem linken Bein. Ein gefürchteter Krieger blieb ich dennoch. Ich führte das Zweihänderschwert mit der linken Hand allein und hinkte auf dem linken Bein. Wenn ich in Windeseile angehinkt kam, meine grünen Augen weit aufgerissen, und mit dem linken Arm das Zweihänderschwert schwang, schnell wie ein Dampfschiff, rannten mir alle aus dem Weg und schrieen: "Il Satano, il Satano!" Wieso nur weiss ich schon im 16. Jahrhundert was ein Dampfschiff ist? Das ist ganz einfach: Leonardo hat mir seine Skizzen gezeigt als ich Modell stand für seine Höllenfahrt, die nicht mehr erhalten blieb. Und wieso ist sie nicht erhalten. Ganz einfach! Wir versuchten das Modell des Schiffes in Fahrt zu setzen in einem Zuber und das ganze Atelier brannte ab. Das wissen die Historiker noch nicht und ich erzähle es ihnen gratis.

Als Kind Satans und war ich noch mehr gefürchtet. Dieser Jagdunfall hat mir offenbar mehr geholfen als geschadet und bei Ritter Koni war ich nach seinem Sturz in die Nähe der Hölle ein gern gesehener Gast.

Ich möchte ihnen eine schöne Geschichte erzählen. Eine meiner Märchen. Konis Geschichte.

Der riesige Rittersaal mit dem hohen Dachfirst war zum bersten voll. Wir waren eingeladen worden zur Hochzeit Ritter Koni's mit Isabella zu Hohenrück (oder war es von und zu Hohenstein?, egal, tut nichts zur Sache). An sechs langen hölzernen Tischen sassen die Hochzeitsgäste. Viele angesehene Adlige aus der Gegend waren dabei, aber auch reiche Bauer aus den befreundeten Dörfern in den Tälern ennet den Bergen. Zuoberst am Tisch sass das Hochzeitspaar. Reich gekleidet waren sie, nach dem neuesten Schrei der damaligen Mode, direkt übernommen von Beaune, dem Fürstenhof der Herzöge von Burgund. Mit dem Essen hatte Koni auch nicht gespart. Nach der obligaten Gerstensuppe am Anfang (Hat es je ein Bündner Hochzeitsessen gegeben ohne Gerstensuppe. Ha Ha Ha!), wurde ein ganzer Ochse am Spiess gebraten. Und dann gab es Dessert. Isabella liebte Süssspeisen, sie ass alles gleich Tellerweise und Koni liebte alles was Isabella liebte. Er hatte extra den Dessertkoch aus dem Burgund geholt. Respektive der Fürst von Burgund, Karl der Freigiebige (nur für ihn selbst!) hatte ihn mitgebracht. Koni hatte Karl in der Schlacht von Cahors das Leben gerettet. Und war sein Freund. War, denn jetzt, nachdem er so ein sündiges Leben führt, hat er keine Freunde mehr.

Ein sechsköpfiges Orchester spielte auf. Es hatte Krummhörner, Jagdhörner und auch die obligaten Saitenzupfinstrumente fehlten nicht. Es war ein schönes Paar. Koni, der schwarze Wuschelkopf, hoch wie eine Pappel, in einem Rock mit Goldbrokat an den Rändern und aufgenähten Bienen, seinem Wappentier. Die Braut ganz in weiss gekleidet, zierlich. Doch wieso schaute die Braut nicht auf ihn. Nein, die ganze Zeit war ihr Blick auf den Blänkelsänger geheftet. Und Koni war so reserviert gegenüber ihr. Das musste ja schlecht gehen.

Koni war meine heimliche Liebe. Schon immer hatte ich ihn begehrt. Doch er merkte nie was davon. Einmal war ich ihm sogar allein begegnet, im Stall. Und ich zerrte ihn hinab zu mir, ins Stroh. Küsste ihn feurig. Er stiess mich weg von ihm, stand auf und ging wortlos hinaus. Ich weinte. Doch Koni verriet mich nie. Ich war sein Milchbruder. Sein Vater hatte mich heimgebracht, als eine Beute, auf einem seiner jugendlichen Streifzüge. Ich war ein kleines Nichts gewesen, war ihm im Wege gestanden und er hatte mich einfach eingesackt, in eine seiner Satteltaschen gesteckt, die er als Souvenir von seinen Oststreifzügen bei den Magyaren heimgebracht hatte. Ich war jetzt auch quasi ein Souvenir.

Ich war keinen Monat alt. war zurückgekommen aus dem Feldzug nach Rumänien, wo er einige goldene Reliquienbehälter und Kerzenhalter als Souvenir mitgenommen hatte aus Kirchen und in Klöster. Mein Vater hatte den Umweg gemacht, um seine Geliebte wieder zu sehen bevor er zurückkehrte. Doch meine Mutter wollte nichts mehr von ihm wissen, sie hatte geheiratet, einen starken Bauern aus der Umgebung. Sie wollte auch nichts mehr von mir wissen. Er steckte mich unerwünschten Balg kurzerhand in seine Satteltasche. Setzte meine Mutter hinter im auf den Sattel und ritt in einem Parforcemarsch heim. Doch ich war gesund und überlebte. Mein Vater hatte festgestellt, dass ich gesund war, starke Beine und Arme hatte. Er merkte, dass ich Hunger und Durst hatte, gab er mir kurzerhand aus seiner Branntweinflasche zu trinken. Ich verstummte und schlief ein.

Als er heimkam hatte seine Frau gerade Koni auf die Welt gebracht. Er kam gerade rechtzeitig zur Geburt und musste zusehen wie die arme Frau während der Geburt starb. Ganz offensichtlich stammt Koni nicht von ihm ab. Doch er tat als ob er sein Sohn sei und Koni wurde zusammen mit mir von meiner Mutter als Amme aufgezogen. Mein Alter hatte so ein Faible für männliche Wesen, obgleich er auch schöne Mädchen nicht verschmähte. Alles was ihm in den Weg kam, begehrte, herzte, küsste er und benützte er für seine Freude. Vor dem Priester konnte oder wollte er aber nicht dazu stehen. Dies war mein Glück. Ich wurde privilegiert behandelt. Musste keine harte physische Arbeiten für ihn machen. Er beschäftigte mich als seinen Pagen. Nachts nahm er mich zu sich und lehrte mir das Alphabet. Das griechische, sagte er. Obwohl er von griechisch nichts verstand. Doch das, was er mich lehrte, verstand ich und na ja, ich hatte nun mal so'n Hang zur griechischen Sünde.

Kaum war ich alt genug, nahm er mich offiziell als einer seiner Krieger auf. Doch ich konnte nie für ihn kämpfen. Er hatte Krieg nicht gern. Nach dem was er in Ungarn erlebt hatte. Er wollte dass seine Untertanen im Frieden viel ökonomischen Wohlstand erarbeiten konnten. Und wusste, dass er dabei nur gewinnen konnte. Leider war er nicht im Geist der Zeit. Und plötzlich starb er. Wieso? Ich weiss es nicht. Doch man munkelte so einiges. Der Bischof von Chur sollte so seine Hände im Spiel gehabt haben! Ja nun, ich schweige, denn nun, da auch Koni ausgeschaltet ist, ist der Geist der Kirche auch bei uns durchgedrungen. Beherrscht uns. Ich kenne das.

Habe es miterlebt wie das Papsttum in den italienischen Kommunen sich durchsetzte. Wie die Räte immer mehr durch Einzelherrscher ersetzt wurden, wobei die Kurie im Hintergrund tatkräftig mithalf, die unbeliebten Freunde des Kaisers auszuschalten und dann die Agenten des Kaisers auch politisch agierten um die Räte auszutricksen und dem Kaiser genehme Einzelpersonen unterstützten, die die Gegner vertrieben. Der Kaiser schnitt sich dabei ins eigene Fleisch, denn der Papst war näher und irgend einem Nachfolger war es sicherer sich mit ihm zu verbünden. Der Mönche waren auch geübt in der Schrift, in der Diplomatie und die Tyrannen mussten sich auf sie verlassen. Kurz, der Papst konnte den Herrschern tatkräftig zur Seite stehen wenn sie ihre Macht verstärken wollten und die meisten arbeiteten für den Vatikan. Doch ich verstand es, es mir nicht anmerken zu lassen, dass ich alle meine Liebhaber durchschaute, ich war bloss der kleine Höfling und zuletzt in Mantua, wo ich durch einen Künstler zum Hof Kontakt gefunden hatte und als ich genug Geld und meinen Titel verdient hatte, verschwand ich dort, bei Nacht und Nebel. Und bin jetzt wieder hier. Doch ich greife vor, ich erzähle Schritt bei Schritt wie es dazu kam.

Bei seinem Tod schenkte mir der Alte Koni die Freiheit. Doch es sollte nicht lange dauern. Bald geriet ich in die Fänge des Kastellans, der Konis Vormund war. Denn Koni war noch nicht volljährig als sein Vater starb. Bald nach diesem Vorfall musste ich, um nicht an einer schwarzen Messe des Bischofs von Chur, diesem di Rovero, dem späteren Papst Julius II als Opferlamm Gottes teilnehmen zu müssen, den Kapellan mit einem der riesigen Kerzenleuchter, die in der Sakristei herumstanden, niederschlagen. Natürlich musste ich nach dieser Tat nach Italien fliehen und liess mich in Bellinzona in die Armee des Herzog Sforza aufnehmen.

Ich habe von den Italienern ihre Lasterhaftigkeit und Skrupellosigkeit übernommen. Jetzt Geadelt vom Herzog von Ferrara. Ich bin Cavaliere Giovanni della Rocca delle Nuevole. Hans von Wolkenstein. Und auch der Marchese dos Maresmias. Sicher bin der Spross einer Adelsfamilie, der von Ardez, aber nicht sein offizieller Sohn. Wieso hat mich der Vater Konis als Kleinkind angebunden an seinem Sattelknauf von seinem Ungarnfeldzug heimgebracht? Er hätte mich ja einfach in Budapest, in den Armen der Prinzessin von Ungarn, meiner Mutter, zurücklassen können, wie er aus Ungarn abziehen musste, da der König seine Tochter nie an einen gewöhnlichen kleinen Ritter von Ardez verheiratet hätte, auch wenn diese in diesen verliebt gewesen wäre und von ihm ein Kind erwartete. Nie hat er erzählt wieso er mich bei seinem Rückritt von Ungarn nach Ardez mitnahm. Doch ich weiss wer ich bin. Ich bin das Produkt aus seiner Liebe mit der Prinzessin die er am Amulett trug, worin sich eine schwarze Haarsträhne befand. Eine unglückliche Liebe. Zum Scheitern verurteilt vom ersten Kuss an. Und das hatte mein Leben erschwert. Doch ob es einfacher gewesen wäre, wenn ich in Budapest verblieben wäre und zusammen mit den anderen Bastarden des Königs, der Königin und ihrer Tochter aufgewachsen wäre um später als ein Page des Königs oder eines seiner Höflinge zu dienen, weiss ich nicht.

Seit so vielen Jahren wo ich die Welt erkundete, wünsche ich ihn mir Koni wieder zu sehen. Habe mich ja auch vorbereitet. Träumte von ihm. Von wem? Von Koni, wer dem sonst! Wie war es doch als ich von Onkel Merguez geliebt wurde. Und wie der Koni senior selbst mich zu ihm ins Bett nahm, scheint's um mir Griechisch zu lehren, das er selbst nicht konnte, aber eher weil ich gut genug war, im das Bett zu wärmen, in seiner kalten Schlafstube!. Ich war damals noch ein blutjunger träumender Adoleszenter. Sicher schön von Statur, sonst hätte mich Koni senior nicht ins Bett genommen. Und ganz sicher noch unschuldig, obwohl ich Dutzende von Chancen gehabt hätte meine Unschuld zu verlieren. Doch eben, ich hatte nur Augen offen für Koni, und der beachtete mich gar nicht. Ich war ihm zuwenig. Und offensichtlich nicht so stark und interessant wie die, die immer um ihn herum lungerten. Ich bin aber Koni nachgeschlichen. Überallhin. Immer hoffte ich, ich würde mich mit ihm auf einem dunklen Treppenabsatz treffen. Wir würden uns küssen, umarmen. Nichts weiteres. Wusste auch von nichts Weiterem. Und da hat dieser verflixte Priester hinter mir her spioniert. Hat mich überrascht, wie ich gerade aus Frust mein Dings aus der Hose zog, wie Koni mir wieder unverrichteter Dinge entschlüpft war. Ich wollte mir eins abwichsen. Stellte mir dabei vor, wie Koni die Hosen abzog...Und da packte mich dieser Rabe, dieser Merguez, Kaplan vom Schloss, von hinten mit beiden Händen an den Schultern. Ich hatte ihn nicht bemerkt. Er war lautlos hinter mich geschlichen. Ich hab mein Dingsda natürlich sofort wieder hineingesteckt, die Hose zugeknöpft. Früher schon hatte ich diesen alten Lüstling gewahrt wie er mich aus der Ferne versteckt anschaute. Wie er pfeifend weglief wie ich es bemerkte. Doch diesmal konnte ich ihm nicht entschlüpfen. Er sagte: "Schon lange bist Du nicht zur Beichte erschienen. Was ist los mit Dir?" Er hatte Recht, seitdem er in einer Predigt gewettert hatte über die Gottlosen die sich selbst befriedigen täten, hatte ich keine richtige Lust dazu. Ich zuckte mit den Schultern. Was sollte ich ihm antworten? Doch wegrennen konnte ich auch nicht. Ich war ihm ausgeliefert. Denn er hatte mich bei einer sündhaften Tat ergriffen und ich wusste, dass er mich, besonders da ich ein möglicher Rivale Konis war, bei ihm verleumden konnte. Er konnte mich an die Mönche verraten, und auf meine Sünde konnte man mich zum Tot durch verbrennen verurteilen. Ich war dem Dreckkerl ausgeliefert. Deshalb zeigte ich mich willfährig. Ich bin nun mal wie mich einmal ein Feind nannte, "Ein charakterloser Lump." Aber dank dem habe ich bis jetzt überlebt. Und das Leben ist mir zu interessant und schön, als dass ich es vorzeitig abbrechen möchte.

Er packte mich und zog mich in die Kapelle. Dort im Beichtstuhl hat er mich drangenommen. Er hat mir gesagt, dass er mich schon öfter beobachtet hat, wie ich Koni nachgeschaut habe. Richtig geil habe ich mich benommen dabei. Das sei eine Sünde, behauptete er. Ich müsse bestraft werden. Dann hat er mir genüsslich erklärt wie man mich bestrafen werde, die Hand und das betreffende Ding werde abgehackt, dann werde ich verbrannt. Er hat gedroht, mich dem Bischof, diesem di Rovere, der landauf, landab als ein perverser Lüstling galt, zu melden. Richtig Angst hat er mir gemacht. Ich bin vor ihn hingekniet habe ihn gebeten dass er mich verschone. Er streichelte mein Haar mit seiner Hand, sagte, wenn ich ihm alles beichtete würde Gott mir verzeihen und er würde mich nicht denunzieren. Ich hatte ja nicht viel gesündigt, aber er glaubte mir nicht dass mein Sündigen nur im Geiste gewesen war. Er schaute mich nur so an, wollte ich fortfahren, und ich wollte ja nicht bis heute Nacht bei ihm bleiben müssen. Schnell erfand ich noch, wie ich im Stroh einmal mit Hans gevögelt habe. Er wollte das genau beschrieben haben und ich malte alles so aus, wie ich mir vorgestellt hatte, dass es mit Koni sein würde. Er verknurrte mich zu Hundert Ave Maria in der dunklen Berg Kappelle. Doch wie ich kniend betete und mutternd die Gebete vor mich hersagte, ist er hinter mich gekrochen, auf den Knien und hat mich besprungen, wie Joseps Esel seine Eselin bespringt. Er hat mein Oberteil hinaufgehoben mit seinen Armen und hat sein Dings in mich hineingeschoben in meinen A. ja nun ihr wisst schon was. Das was scheint's nur die ungläubigen Teufel machen im heiligen Land. Aber heute ist er vom Bischof von Chur begraben worden als ein Märtyrer der Kirche. Hat ein Grab im Heiligen Friedhof in Chur. Ist selig gesprochen und wird sicher bald als einer ihrer unzähligen Heiligen in den vatikanischen Himmel eingehen! Dann hat er mir gesagt, die restliche Strafe sei hinfällig. Hat mir aufgetragen ja niemandem was zu sagen, was er mit mir getan hatte, denn dann würde er alles was ich ihm gebeichtet hatte, dem Bruder Teophrastus melden. Bruder Teophrastus sei es der die Ketzer verfolge und ausrotte. Nicht einfach nur so töten. Zuerst würde ich gefoltert, bis ich zugegeben habe mit wem ich es getrieben habe, dann Und ausserdem würde er zu Gott beten, dass mir mein Dings verdorren und abfallen würde. Was sollte ich machen. Ich glaubte, dass er zauberische Kräfte hatte, als Soutanenträger. Und ausserdem, Ihm glaubte man eher als mir. Ich war nun sein auf Gedeih und Verderb.

Es blieb nicht bei diesem Mal. Später liess er mich oft in seine Wohnung kommen, um mir scheint's Religionsunterricht zu erteilen. was auch immer, es war vielleicht biblisch aber nicht im Sinne von Paulus. Und er war nicht mein Ideal. Mit seinem glatzköpfigen runden, vollbackigen Gesicht, seinem Bauch den er wie ein Erker vor sich her trug. Und vor allem stank er wie eine Kuh, weil er sich nie wusch. Doch er brachte mir alles bei, was man so unter Männer macht auch wenn ich dies nicht unbedingt wissen wollte! Er hat mir auch empfohlen gewisse Marterinstrumente, die ich hier nicht näher beschreibe, auf mir zu tragen, weil er das selbst trug, so wie die Ungläubigen in Bagdad. Na ja, nur eine Empfehlung war es nicht und wenn ich sie nicht getragen hätte, wäre ich bedeutend mehr geschlagen worden als ich sonst schon geschlagen wurde und es brauchte viel Überzeugungsarbeit seinerseits, bis mir das einleuchtete. Doch mit der Zeit arrangierte ich mich recht gut mit diesem meinem neuen einflussreichen Onkel. Oft bat ich ihn, für etwas zu Gott zu beten, und siehe da, wenn es ein materialistischer Wunsch war: innert nützlicher Zeit bekam ich es.

Natürlich liebte ich ihn nicht. Er war zu alt für mich. Doch ich wurde einigermassen unerlässlich in seinem Leben, was ich auch realisierte und zu meinen Gunsten ausnützen wollte. Um so mehr wurde ich bei dem nächsten Vorfall überrascht.

Er liebte es, mich zu schlagen, zu fesseln. Ich hatte nichts dagegen. Eine typische Session bei ihm verlief etwa so:
Am morgen am Gottesdienst musste ich ministrieren. Er liebte es dass ich als Ministrant waltete. Ich tat es um mir weitere kleine Vorteile zu ergattern. Extra liess ich den Kelch aus meinen Händen gleiten und die Flüssigkeit ergoss sich über den Boden. Das hatte Merguez der Priester gar nicht gern. Jeden Tropfen, der zuviel gebraucht wurde in der Kirche war ihm zuwider. sonst hatte er nichts dagegen, wenn wir tranken. Ich musste mich bücken, und zufällig stand er dort. Ich schaute ihm unter den Rock. Und wahrlich, ich sah, dass er schon wieder einen Penisring trug. Ich stand auf mit dem Kelch, schaute ihn frech an. Er nahm mir den Becher aus der Hand, ging nach hinten um ihn aufzufüllen. Ich war so unbeholfen, dass ich ihm auf den Rock stand, so das er fast umfiel und sich mit Mühe halten konnte. Doch man hörte ein Geklirr von Eisen, das auf Eisen schlägt. Es hatte ihn geschmerzt, dort wo der Ring aus Eisen war. Er verzog das Gesicht. Und die wenigen Messebesucher schauten einander schmunzelnd an. Denn jedermann wusste natürlich dass Pater Franciscus wie sich Onkel Merguez im religiösen nannte, komisches Zeugs trug. Er ging gemessenen Schrittes nach hinten zum Tabernakel. Ich ihm nach. Mein Ding war bereits am steigen. Ich wusste dass Pater Franz jetzt innerlich brodelte und freute mich auf die Strafe. Das Tabernakel war hinter dem Altar geschützt vor anderen Blicken. Böse zischte er mir zu: "Wir werden noch darüber reden, komm zu mir in die Beichte nach dem Gottesdienst." Die Beichte mit mir hielt er immer in seinen Privatgemächer ab. Und ich jubilierte.


Nun hatte ich ihm einen Vorwand gegeben, mich zu strafen. Seit dem ersten Mal, als er mich nahm und strafte, war mir dieses Ritual ein Bedürfnis. Es regte mich ungemein an, schon nur daran zu denken. Und den Pater erst recht. Wir waren beide beflügelt bei der Messe, Pater Franz noch besonders, weil er dem Messewein immer besonders frönte. Nach der Messe, kleidete ich mich um, und bereitete mir Schmerzen mit einigen Folterwerkzeugen, die ich hier nicht ausdrücklich beschreibe. Denn ich meinte immer, ich müsste für meine Schönheit mit der ich den gläubigen Priester verführte, sühnen! Dann ging ich hinauf ein sein Turmzimmer, an Koni's Arbeitszimmer vorbei. Die Kette unter meinem Rock schepperte und ich sühnte so schön. Insgeheim hoffte ich immer noch, Koni würde mich endlich mal bemerken, doch er tat nichts dergleichen. Wie gern hätte ich ihm gezeigt, was ich bereit war, für ihn zu leiden! Klopfenden Herzens lief ich an seiner Türe vorbei und klopfte verängstigt an Pater Franciscus Tür. Der hatte natürlich mitbekommen, wie ich an der Türe seines vermeintlichen Rivalen besonders langsam vorbeigelaufen war!) Die Tür ging blitzschnell auf und ich wurde hineingezogen. Der Pater ergriff mich unsanft an meiner Kette und zog mich zu sich. Ich strampelte, um meine Kutte über den Kopf hinüber zu ziehen. Bald lag ich ausgestreckt nackt mit der Brust auf seinen mageren Knien.

Einen Eisenhandschuh hatte er angezogen mit dem er mir den Hintern versohlte. Leider muss ich zugeben, dass mich diese Strafe, je mehr ich sie über mich ergehen lassen musste, immer mehr erregte. Ich bin ganz sicher errötet dabei und das gefiel ihm sicher! Nachdem er meinen Hintern rot und blutig geschlagen hatte, entledigte er sich des Handschuhs, ergriff mit beiden Händen meinen Po, drehte mich um neunzig Grad bis ich mit meinen tränenden Augen ihm fest in die Augen blickte. Dann sagte er: "Sprich mir nach: "Ich danke Dir dass du o mein Herr und einziger Weg zum himmlischen Weg, mich so liebevoll erinnerst, dass ich nie mehr so dumme Streiche spielen werde." Ich sagte es ihm nach, doch obwohl ich mir alle Mühe gab, keine so dummen Streiche zu spielen, fand er immer wieder einen Vorwand, mir einen solchen in die Schuhe zu schieben besonders da er mir nie genau erklärte, was ein solcher "dummer Streich" eigentlich war.

Wie man sieht, hatte sich mein lasterhaftes Gemüt schon früh etabliert. Es führte dazu, dass ich später in Italien bei verschiedenen Malern als Modell für in die Hölle stürzende Sünder arbeiten konnte.

Er seufzte: "Na, ich sehe. Das ist nicht gerade enthusiastisch gesagt. Ich werde Dich noch mehr strafen und Dich aufspiessen auf meinem dicken Ding." Dann quetschte er mir meine heissen, schmerzenden Backen mit seinen fleischigen Finger und setzte mich rittlings auf seine Knie, liess seinen Penis in mich gleiten und liess mich darauf hinauf - und hinabhüpfen. Und ich abgebrühter Sünder war gewann Freude an diesem Spiel. Aus lauter Freude sang ich mit voller Kehle, ich als Tenor, er als Bass, ein Lied das er mir beigebracht hatte und dass davon handelte, wie man auf den Knien des Vaters hüpft und dabei in den Himmel kommt.

Ich konnte mir mein Leben, wenn ich ihm in einigen Aspekten entgegenkam, recht gut einrichten. Er war so was wie ein Beschützer für mich, der ja ohne Vater war.

Doch eines Abends, als ich mich zu ihm begab, war mir Koni im Treppenhaus begegnet. Ich hatte ihm zugelächelt, und da er nicht sofort weglief, hatte ich die Gelegenheit ergriffen, ihn zu umarmen und auf den Mund zu küssen. Er allerdings reagierte überhaupt nicht auf meine Liebesbezeugung. Er hatte sich seinen Mund mit einem Taschentuch getrocknet, hatte sich sofort umgedreht und war ohne sich weiter zu äussern die Treppe hinabgestiegen um am Ausgang sein Pferd zu besteigen um auf die Jagd zu gehen. Das schloss ich daraus, dass bald darauf ein fröhlicher Jagdfanfarenstoss den Hof erfüllte! Wenigstens, sagte ich mir, hatte er nicht sofort Zetter und Mordio geschrien und mich in den Kerker werfen lassen. Darauf bildete ich mir was ein und glaubte, dass er mich doch noch ein kleines Bisschen liebte! Doch der Kaplan hatte es gesehen und war offensichtlich eifersüchtig, in seiner Fistelstimme machte er mir Vorwürfe. Ich hätte am liebsten laut herausgelacht, so egal war mir dieser Hanswurst. Doch ich konnte es mir nicht leisten. Natürlich fragte er mich zuerst aus wegen Koni. Doch ich beruhigte ihn, es war wirklich nichts passiert zwischen uns. Er glaubte mir nicht. Doch er nahm an, dass er nichts mehr aus mir hervorlocken konnte. So änderte er abrupt das Thema. Er eröffnete mir, das sei jetzt überhaupt nicht relevant. Er habe bereits mit dem Bischoff abgemacht, dass sie zusammen während der Walpurgisnacht eine schwarze Messe in der Sakristei der Kathedrale von Chur feiern wollten. Der Bischoff erhoffe sich davon, reich zu werden, denn seine bisherige Karriere habe ihm soviel an Bestechungsgelder gekostet, dass er in hohen Schulden stecke. Und da dieser Rovero, den ich später viel besser kennenlernen sollte, sowieso weitere Pläne hatte und sehr ehrgeizig war, hatte er, wie mir der Kaplan versicherte, keinen Gedanken daran verschwendet, seine Schulden zurückzuzahlen. Im Gegenteil, er würde das Geld dazu gebrauchen, die Kardinäle zu bestechen, damit sie ihn zum Nachfolger des ersten Borgiapapstes wählen würden, der am Sterben lag. Dem Kaplan hat er versprochen, ihm, falls er ihm ein entsprechendes Opferlamm liefern könnte, reich zu beschenken und ihn zum Bischoff von Chur als seinen Nachfolger zu machen. Nun, nachdem der Kaplan mir eröffnete, er habe mich zum Opferlamm ausersehen und mir erklärte, welche Rolle so ein Opferlamm bei anlässlich einer schwarzen Messe erfüllen darf, wie er als Verkörperung Christi die Geisselung, das Ecce Homo und eine symbolische Kreuzigung über sich ergehen lassen muss, damit das Heilige Abendmahl auf seinem toten Körper vollzogen werden kann, kann man sich in etwa vorstellen, dass ich ihm überhaupt nicht dankbar war, dass er gerade mich zu diesem Opferlamm auserkoren hatte, auch wenn er mir gleichzeitig mitteilte, dass ich nach meiner Opferung stante Pe in den Himmel zur Rechten des Allmächtigen Gottes fliegen würde. Und wie er mir mitteilte, dass die Wache des Bischoffs gerade in den Hof reingefahren war und ich hörte, wie die Pferde wieherten, die Bremsen einer Kutsche quietschten und raue Stimmen ertönten, wurde mir bewusst, dass mein letztes Stündchen geschlagen hatte. Doch so ohne Weiteres wollte ich mein Schicksal nicht hinnehmen. Ich war noch am Anfang meines Lebens, eines lasterhaften Lebens allerdings und eines Lebens, das mir bis anhin nicht viel Glückseligkeit gebracht hatte. Aber ich war nicht vorbereitet darauf, dass dies Leben, das ich immer noch verbessern konnte, so schnell zu Ende gehen sollte. Fieberhaft überlegte ich mir, wie ich mich aus der Umklammerung dieses meines Todesengels befreien konnte, er, der Kaplan, der viel stärker war als ich, als mein Blick auf einen riesigen Kandelaber fiel, der sich gerade neben mir befand. Ohne mir weitere Gedanken zu machen, ob ich durch meine Tat meinen Platz zu rechten des Allmächtigen verlustig ging, ergriff ich bevor er realisierte, was ich vorhatte, den Kandelaber und schlug ihn ihm über den Kopf. Er fiel hintenüber, ich hörte ihn röcheln und wusste, er war tot. Es gab kein Blut. Ich griff in seine Soutane und fand die Schlüssel zu einer Hintertüre, die aus der Sakristei führte und ergriff die Flucht. Natürlich reute mich meine Tat hinterher, doch, Hand aufs Herz, was hätte ich sonst tun können um nicht als Opferlamm zu enden? Da ich fest glaube, dass ein allmächtiger Gott alles sieht und deshalb auch folgern konnte, was mich zu dieser Tat zwang und da ich glauben will, dass er die Erduldungen und den Tod seines Sohnes nicht freiwillig zuliess, dass er es natürlich tat, um die Menschen von der Erbsünde zu erlösen, nahm ich an, dass er mir meine Tat vergeben würde, besonders da, wie ich später erfuhr, der Priester erst viel später eines natürlichen Todes im Bett gestorben ist und von mir deshalb, entgegen meiner Annahme, nicht getötet wurde. Da die Burg ausgestorben war und fast alle mit Koni auf der Jagd, war es nicht schwierig unbemerkt zu flüchten.

Ich wusste wohin flüchten. Plänkelsänger in der Gesindestube hatten es mir gesagt. Im Süden würden die Franzosen und die Urner kämpfen, sie würden Söldner anheuern. Nach Bellinzona musste man. Über den Malojapass in die Gegend des Ticino.

In der Stadt der sieben Hügel und Burgen, in Bellinzona, kam ich an und liess mich einreihen in die Reihen eines Schwyzer Obristen mit Namen von Ibach. Sie prüften meine Muskeln, heuerten mich an, obwohl ich im Gegensatz zu diesen Innerschwyzer nur ein dünnes, schwaches Sprengsel bin. Schön bin ich aber, und stolz darauf. Den Lohn zahlten sie mir nicht aus, vertrösteten mich auf später. Ich kam mit, da ich nicht viele andere Möglichkeiten hatte, zu verduften. Denn sicher würden die mich jetzt schon suchen. In Uniform fiel ich weniger auf, als im Waffenmantel deren von Ardez. Doch bevor ich überhaupt ins Tal des Po kam, hatten wir schon die Franzosen unter Deckung von vielen Kanonen Stellung bezogen. Ich lief über.

Seitdem hatte ich viele Liebhaber, auf meinen Kriegseinsätzen als Söldner der Habsburger und der Franzosen. Die schönsten und feurigsten Anbeter fand ich unter unseren südlichen Nachbarn in der Lombardei, und viel später weiter unten in der Arnostadt und weiter unten in Rom. Ich blieb meinem Naturell treu. Und ich konnte feststellen dass viele Krieger unserem Laster auch frönen. Im Krieg sind moralische Barrieren aufgehoben. Wie viele,die sich sonst als Schürzenjäger profilieren, profitieren vom Krieg um ihre Lust nach schönen Jünglingen unbestraft nachzugehen.

Die erste Schlacht, die ich erlebte, war der blanke Horror. Um was ging es? Ich muss ehrlich sagen, ich weiss es nicht. Es ging um irgend eine Wiedereroberung. Der böse Feind hatte etwas weggenommen und wir mussten es wieder zurückholen. Zwei Armeen standen einander gegenüber, eine mit der Flagge des Herzogs von Mailand, auf die andere war die weisse goldene Lilie des Königs von Frankreich gestickt. Goldig war ein Synonym für Geld, viele waren zu dieser Truppe gestossen, auch ich unter anderen, weil dort mehr Gold war. Aber in beiden Heeren wurde vornehmlich in Schweizer und süddeutschen Dialekten geflucht. Und niemand war bereit sein Leben ins Spiel zu setzen. Die Offiziere und die Heeresleitung sprach französisch. Doch auch sie hatten sich bereits vorbereitet für eine Flucht, falls es nicht siegreich war.

Ich war so jung. Fast noch Kind, ein unreifer Jüngling. Hatte blonde Haare, braune Augen und war schlank. Ich hatte nicht die trockene, z.T. runzlige Haut, eine Glatze auf dem Kopf umgeben von einem Kranz fast weisser Haare. Hatte noch nie so was erlebt. Ich hatte mir keine Gedanken gemacht. Hätte ich mir welche gemacht, meine schlimmsten Albträume wären bei weitem übertroffen gewesen. Während der Schlacht war ich so involviert dass ich nicht richtig realisierte was um mich herum passierte. Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie ich überleben konnte. Als das Feuer losging war es schon ein Angsterlebnis wie ich hörte wie es donnerte, alles im Pulverrauch versank. Ich glaubte, ich würde sterben. Es sei der Weltuntergang. Alles war im Nebel versunken um mich herum, ich sah nicht was vorging, hörte nur Schreie und vor mir ein Röcheln. Nur strichweise verging der Nebel. Und dann sah ich wieso der Kamerad vor mir röchelte. Der starke Soldat lag auf dem Rücken. Die Beine weit gespreizt, die Arme um sich geschlungen, verkrampfte er sich. Ein Blutschwall rann aus einer Wunde die er mitten auf der Brust hatte. Ich schaute genauer hin, neigte mich über ihn. Eine gelbliche Flüssigkeit ergoss sich zwischen seinen Beinen. Und es stank. ich schrak zurück. Doch seine Arme ergriffen mich an den Hüften und zogen mich zu ihm hinab. Ich konnte mich nicht loslösen, seine Arme umklammerten mich, sein Mund küsste mich und ich spürte nur, wie er seinen steifen Penis an meinen Beinen rieb. Es war ekelhaft, denn während er röchelnd verschied war er im sexuellen Rausch und ich konnte mich nicht losmachen. Er ist offensichtlich in der Stunde seines Todes nicht in sich gegangen. Hat nicht gebetet und es war auch niemand da, der ihm die Absolution erteilt hätte. Die Priester waren verschwunden von der Front, nur am Anfang vor der Schlacht hatten sie uns zum Beten angehalten, nachher, als es gefährlich wurde verschwanden sie im Hintergrund um sich für Gott und die Engel fit zu halten. Ich war sowieso nicht mehr gläubig, nach dem, was ich bei meinem Kaplan erlebt hatte. Und das war das erste und letzte Mal das ich eine Schlacht an der Front miterlebte.

Aber... ja ich glaube und muss zugeben, dass auch ich diesen Akt des sublimen Sterbegebets zwischen den Beines des Schönen genoss. Denn er war schön. Ich habe es auch nie bereut. Doch hatte ich nicht viel Zeit nachher. Es erscholl ein Huronengebrüll, im ortsweise hervorquellenden Sonnenlicht sah ich Klingen von Schwertern und Bajonetten aufblitzen. Ich wollte wegrennen, hatte aber keine Zeit. Kaum war der Pulverdampf am verschwinden, ging das Gemetzel los. Der Feind rannte mit Bajonetten auf uns zu. Kavallerie hoch zu Ross schwenkte die Schwerter und mähte uns nieder. Ich dachte nur an Eines. Ich musste mein Leben retten. Als der Sterbende mich zu sich hinab gezogen hatte, hatte ich mein Gewehr auf den Boden fallengelassen. Ich wagte mich nicht, den Heranstürmenden den Rücken zuzukehren, um es wieder aufzulesen. Wie nur konnte ich mein Leben retten? Kniend zog ich mein Messer, um mein Leben wenigstens teuer zu verkaufen.

Da tauchte ein Berseker gerade neben mir auf. Meine Rettung! Ich hängte mich an ihn und er schlug mich aus der Schlacht. Hatte ich das wirklich im vollen Bewusstsein und nur aus mir heraus veranlasst? Ich erröte wenn ich daran denke. Ich muss es zugeben: Nein. Ich war zu belämmert, hatte überhaupt kein klares Bewusstsein. Bevor ich es mir versah drehte sich dieser Berseker mit der breiten Brust, den ausladenden Schultern, dem Ziegenbärtlein, der neben mir stand, zu mir herum. Ich bemerkte, dass er schöne blaue Augen und breite, sinnliche Lippen hatte. Ganz mein Typ, und der Speichel sammelte sich an in meinem Mund. Doch so weit war's noch nicht. Ich hatte natürlich wieder nicht aufgepasst. Jetzt erst spürte ich ein Schütteln und jemand hinter mir seufzte. Mit einem dumpfen Knall fiel ein schweres Gewehr auf meine Füsse. Ich wagte mich nicht mich umzudrehen. Mit schielenden Augen sah ich es. Irgend jemand war daran, mich zu erschlagen. Doch ich dachte nicht daran zu flüchten. Eine grosse Müdigkeit hatte sich meiner ermächtigt. Wenn es schon so weit war, dass ich sterben musste, wieso überleben. Was war so schön am Leben? Ich sah nur noch, wie sich der schöne, starke, bärtige Typ in den Vierzigern, über mich neigte, mich am Gurt packte und über den Boden schleiffte, heraus aus der Gefahrenzone. Mit beiden Armen griff ich hinauf und umarmte ihn und küsste ihn auf den Mund.

So wurde ich gerettet. Ich bezahlte meinen Retter am gleichen Abend, über eine Kanonenröhre gebückt. Und er bestand darauf, mich mit der Kanonenbürste zu reinigen, wie er es ausdrückte. Er stiess den Schaft in mein Hinterteil während ich vorne sein Glied schleckte.

Immer wieder musste ich an dies mein erstes Erlebnis von einer Schlacht denken. Das sollten also alle starke Krieger sein! Die Häscher hatten beim Gottesdienst unseren Kameradengeist beschwört. Doch während der Schlacht waren einfach alle nur egoistische Einzelindividuen die auf ihr Überleben und sogar auf ihre momentane Erregung erpicht waren. Und so viele Bärenstarke waren einfach umgefallen, von unsichtbaren fliegenden Kugeln getroffen. Ein Krieg der Dämonen. Als ich nachher die Berge herumliegender Kadaver sah und hörte wie es rund um mich stöhnte...!

Fritz hiess mein Retter und Freund. Ein Lanzeknecht aus dem Sundgau. Ich blieb bei ihm. Doch bei der übernächsten Schlacht fiel er und ich musste mir einen neuen Schutzschild suchen. War nicht schwer. So jugendliche Körper wie meiner waren begehrt. Und das besondere! Ich liebte Männer und konnte mit Frauen weiterhin nichts anfangen. Doch meine Schutzfreunde waren nicht so veranlasst wie ich. Wenn sich eine Frau einstellte, liessen sie mich im Stich und flirteten mit dieser. In den Söldnerlager hatte es nicht viele Frauen und so waren die schönen jugendlichen Jünglinge begehrt. Vor allem weil ich meinen Körper pflegte, mich badete und mit einer teuren, snobistischen Seife wusch, die mir der Onkel Kaplan geschenkt hatte, was die wenigsten taten. Die meisten hatten schon mit siebzehn eine verbrauchte, runzlige Haut und sahen aus wie Greise. Sie hatten schon als kleine Jungen, ab 12 oder 13 Jahren in den Krieg müssen. Meistens hatten sie daheim kein Brot. Wurden von ihren Vätern verkauft damit die Familie sich noch erhalten konnte. Und diese Schlachten waren grausam. Man konnte nicht überleben wenn man sich nicht mit irgendwelchen Rauschmittel berauschte. Alkohol war gefährlich und man merkte es nachher. Aber man konnte gewisse Gräser rauchen. Dann war man ein Held weil man keine Schranken sah! Ob dem unmässigen Konsum von Alkohol- und Rauschmitteln bekam man eine runzlige und schwielige Haut. Und dann die Krankheiten, weil man nicht kontrollierte mit wem man es trieb. Die meisten Huren, die so ihre Dienste anboten, waren krank. Hatten die Schwindsucht. Verloren ihr Haar. Und an die Körperpflege konnten sie nicht denken. Sie waren schliesslich Männer! Da hatte ich viele Chancen. Gerade weil es nicht jeder mit mir trieb. Nach der ersten Schlacht, wo mich Fritz gerettet hatte, hatte ich es gelehrt. Andere taten meine Arbeit an der Front. Und ich war im Hintergrund in bester Gesellschaft. Ich habe mit einigen Offizieren Karten gespielt während andere an der Front für den Arbeitgeber (den König von Frankreich oder den Herzog von Mailand), zu Krüppel wurden. Ich war nicht nur schön anzusehen, ich konnte die Leute auch gut unterhalten. Ich liebte es, Geschichten zu erzählen.

Schon der Onkel Kaplan hatte mir gesagt, wenn ich was angestellt hatte und er mich erwischt hatte: "Hans, (damals nannte ich mich noch nicht "Giovanni") Hans, sagte er, hast Du eigentlich noch irgendwelche Skrupel. Mir solche Märchen aufzutischen!" Wenn er das sagte, wusste ich, dass es lustig werden würde, ich lachte ihn nur an (oder aus) und rannte ums Zimmer herum, während ich mich auszog und die Kleidungsstücke ihm ins Gesicht warf. Wenn wir genug hatten vom rennen, hielt ich vor dem Gebetsstuhl, klammerte mich mit beiden Händen schwitzend, aufgeregt atmend an den mit Velours überzogenen gepolsterten Handsims . Immer kam ich dorthin, denn das plante ich. Hielt hin, den Hintern ausgestreckt, wie ich spürte wie er auf mich zukam. Er umklammerte mich auf der Höhe der Lenden, ich spürte seinen Dolch am Schlitz und seine rechte Hand wie sie an meinem Hans (oder Giovanni) rieb. Er küsste mich wie ich zu ihm aufblickte und sagte: "Ich muss Dich strafen." Er seufzte dazu. Und ich, erst recht. Ich sagte keuchend, mit meinen grünen Augen flehend zu ihm aufblickend: "Bitte, tue es." Und dann, um es etwas aufregender zu gestalten: "Ich bitte Dich, strafe mich fest. Ich weiss nicht, ich habe meinen Geist nicht unter Kontrolle, Du musst ihn zur Vernunft bringen." Das gefiel ihm. Er lächelte und mir lief es kalt den Rücken hinab. Dann liess er meinen Pfahl los drückte meinen Kopf hinab und ergriff einen Rohrstecken. Es zischte und brannte und erregte mich. Denn nachher sass ich immer im Pferdesitz auf seinen Knien und genoss es wie er mich durchdrang. Er war alt, hässlich aber ich wollte doch noch was davon haben. Und hatte es auch.

Und so wandte ich meine Phantasien (sie kamen mir im Traum) auch jetzt an und profitierte davon. Hätte ich es nicht getan, ich wäre zum Krüppel geworden. Denn wenn man nicht ein Kleiderkasten ist und die Konstitution eines Esels hat, kann man in Schlachten nicht überleben.

Einige Schlachten machte ich so mit. Doch dann dachte ich es mir besser. Bis jetzt hatte ich ja noch Glück gehabt, hatte überlebt. Doch diese Situation konnte nicht immer währen. Ich wollte desertieren. Die meisten überlebten nicht 2 Schlachten. Und ich wollte überleben. Ich liebte das Leben. Lieber in Sicherheit als irgend ein Söldner der immer für sein Leben fürchten muss und später als Krüppel zu seiner Familie zurückkehrt. Besonders da es für mich keine Familie gab. Es gab aber auch nichts, was ich verlieren konnte. Ich war frei. Und ich wollte von meiner Freiheit im Leben profitieren. Die Priester und die Kirchen kannte ich zur Genüge dass ich ihnen nichts mehr glaubte. Ich brauchte Freude, einen vollen Magen und Sex. Und ich beschaffte mir das. Ich freundete mich mit einem Soldaten an, der in der Wachttruppe des Lagers war. Der schlief am Rande unseres Lagers. Ich schlief mit ihm. Im frühen Morgengrauen, ein Herbstnebel bedeckte die Ebene, rannte ich weg, Ich versteckte mich in einer Hütte am Rande eines Dorfes. Doch ich war nicht zufrieden. Wie nur sollte ich jetzt überleben, jeder würde mich an meiner Uniform wiedererkennen. Als Deserteur würde ich erschossen werden.
Doch es half mir eine junge Frau, sie kam vorbei um ein Werkzeug zu holen. Sie erschrak, als sie mich sah. Ich war zum Fluss gegangen, hatte mich abgezogen und wollte mich waschen. Dann hatte ich Lust, ein Bad zu nehmen im Fluss. Ich hörte sie kommen, konnte mich nicht mehr anziehen, splitternackt konnte ich nur noch zurück rennen, die Uniform liess ich beim Fluss. Ich versuchte mich zu verstecken, in der Hütte. Dort war ein leerer Sack. Ich schlüpfte dort hinein. Wie ich sah, dass sie Werkzeuge mitnehmen wollte, kam mir ein Gedanke. Wieso nicht sie überfallen, ihre Kleider anziehen und so verkleidet wegrennen. Doch es kam anders. Sie hörte mich wie ich aus dem Sack schlüpfte. Drehte sich um. Ein splitternackter Jüngling. Doch sie bekam keine Angst vor mir. Sie war an so Sachen gewöhnt. Claro, sie war mit allen Wasser gewaschen. Wie ich. Bald kroch ich am Boden, auf allen Vieren. Sie hatte mich überwältigt. Sie hatte laut lachen müssen als sie meine diversen Utensilien sah. Ich erschrak, liess alles fallen. Und jetzt hatte sie mich gefesselt. Schlug mich mit einer Peitsche. Ich hatte Freude daran. Und bald wälzten wir uns zusammen am Boden. Und dann liebte sie mich.

Ich wollte dass sie mir Kleider brachte. Doch das wollte sie nicht. Sie hatte Freude, mit mir Wärter und Gefangener zu spielen. Sie liess mich nackt in der Hütte.

Das war nicht befriedigend. Ich konnte es mir nicht erlauben, so abhängig zu sein von ihr. Kaum war sie weg, schaute ich gut ob der Weg leer war. Er war es. Ich rannte hinaus, nackt wie ich war, um die Uniform zu holen die am Fluss liegen musste. Doch sie war weg! Hatten Kameraden von mir diese gefunden oder hatte sie sie genommen. Ich hatte keine Zeit, mir zu überlegen wo diese Kleider waren. Ich hörte laute Flüche und eine Gruppe von Soldaten kam aus der Hütte wo ich gerade vorhin gewesen war. Ich hatte sie um Haaresbreite verpasst. Ich überlegte was tun. Doch jetzt kamen sie auf den Fluss zu. Ich konnte nicht anders, nackt wie ich war, nahm ich tief Luft und sprang ins Wasser. Liess mich treiben. Gefährlich, denn ich durfte keine Luft schnappen, um nicht gesehen zu werden. Wenn ich auftauchte, und die waren da, war ich geschnappt.

Ich liess mich treiben, die Strömung war ziemlich stark. Gott sei Dank hatte es Sonne, ich merkte wie die Sonnenstrahlen durch das Wasser drangen. Ich öffnete die Augen. Ein Schatten war über dem Wasser. Der Schatten wurde durch ein Gebüsch verursacht. Ich liess mich hinauf treiben, hinauf zur Wasseroberflächen, so dass ich mit dem Mund schnaufen konnte. Ich konnte auch aussteigen, mich im Gebüsch verstecken. Ich machte mir einen Lendenschurz aus Blätter und rannte ins nächste Dorf. Dort erhielt ich Kleider von einem Bauer, er versorgte mich mit Nahrungsmittel.

Ich rannte weg in die nächste grössere Stadt.

Ich fand Unterschlupf bei einem Künstler. Ich war ja jung und hatte einen glatten Körper und war beliebt.

Das gewisse Männer mich gern haben, so gern, dass sie mich wie ein Gatte beschützen, hatte ich bald gelernt, kaum war die erste Schlacht geschlagen und viele meiner Freunde tot. Die Leichen lagen umher, man sah noch vereinzelt Gestalten die bei den Toten umherhuschten, die wertvollen Sachen und die Kleider stahlen. Alle, die noch vorher von Solidarität geschwärmt hatten waren entweder bei den Toten oder bereits weg mit unseren Offizieren. Denn wichtig war nicht dass man sich um die Überlebenden kümmerte. Wichtig war, das der Krieg weiterging. Noch wichtiger war, dass man persönlich so viel als möglich für sich aus jeder Schlacht zog. Ich war nicht dumm gewesen, als der Sturmführer, der mich beschützte, von einer Kugel getroffen wurde, hatte ich mich neben im fallen gelassen. Da ich auch noch blutig roten Schweiss auf dem Körper hatte, liess man mich als tot liegen. Nachts huschte eine Gestalt heran betastete mich überall, zog mich aus. Ich liess alles mit mir geschehen, war willfährig. Doch als die Person mit meinen Kleidern weghuschen wolte, wurde ich wach. Er erschrak: "Ein Gespenst" rief er und wollte wegrennen. Ich klammerte mich an ihn und er musste wohl oder übel mit mir paktieren. Es war ein Offizier, der eigenen Truppen, der am Morgen vor der Schlacht uns eingebläut hatte, die Toten nicht zu bestehlen. Er werde dies mit drakonisch bestrafen. Und nun hatte er selbst dies gemacht! Er hatte mich missbraucht, und ich blieb bei ihm. Er war Lombarde und war in seine Heimat zurückgekehrt. Ich bat ihn auf Knien, mich mitzunehmen. Das war die einzige Art zu überleben, und ich war nicht stolz wenn es um mein Leben ging. Überdies, er gefiel mir und ja nun...

Er beschäftigte mich als sein Diener. Ein begehrter Job, denn man war hinter der Front und sicherer seines Lebens. Einmal nahm er mich mit bis nach Mailand, wo seine . Bei ihm lernte ich einen Künstler kennen, zu dem ich dann später flüchtete.

Alles ging gut, ich beherrschte mein Metier gut. Aber ich hatte Mäzenen. Ich war beliebt wegen meinem jugendlichen fast knabenhaften aussehen, lebte gratis bei Künstler und verdiente gut bei deren Auftraggeber.

Plötzlich merkte ich, dass überall an meinem Körper Haaren sprossen. Ich hatte es erlebt, wie ein Freund meines Künstlers fortgejagt worden war, weil er zu alt wurde. Das wollte ich nicht. Ich war durch die Umstände fast zu einer Edelnutte geworden. Die Umstände für jemanden wie ich, der klein, und zierlich aber doch stark gewachsen war, zu überleben, waren katastrophal. Überall Krieg, Plünderungen. Gut für Haudegen. Das war ich nicht. Meine ästhetischen Bedürfnisse erlaubten es mir nicht, mich zum Krüppel schlagen zu lassen. Sonst wäre nur noch die Möglichkeit geblieben, in einen Orden einzutreten und Mönch zu werden. Doch das wäre einem lebendigen Begräbnis gleichgekommen. Ich überlebte, weil ich als männliche Edelnutte arbeitete. Ganz einfach. Ohne Beschönigung. Aber ich überlebte und das ist schon genug. Doch ich fühlte. Wenn mein Körper zu viele männliche Attribute bekam, würden mich meine Liebhaber nicht mehr schätzen. Die liebten Jünglinge, fast Männer. Und solange man das war, konnte man sie gut unter Kontrolle halten. Gottseidank bin ich klein und zierlich gewachsen. Ich habe immer noch eine hohe Stimme.

Es war ein Riesenproblem. Eine Frau, die ich kennen lernte, beschaffte mir von diesem parfümierten Schaum den man verstreicht um dann mit einem glatten schneidigen Messer den Bart zu rasieren. Ich musste handeln. Eines Tages fiel es mir ein, dass ich den Schaum am ganzen Körper verstreichen kann und mit dem Messer darüber fahren kann. Seitdem bin ich schön glatt am ganzen Körper wie ein halbwüchsiger Knabe, was meinen Wert steigert. Doch es ist zeitraubend, weil die Haare schnell nachwachsen. Doch dann lehrte ich eine Hexe kennen. Sie lehrte mich gewisse Kräuter zu mir zu nehmen, damit das, was sie als Reife betrachten, aufzuschieben. Sie gab mir ein Getränk. Lange Zeit hatte ich Schmerzen überall, glaubte bald sterben zu müssen. Doch Gott sei dank, meine Stimme blieb Knabenhaft, die Haare wuchsen nicht so wie bei anderen. Auch meine Männlichkeit blieb aus.

Doch bald wurde ich faul. Ich posierte nur noch. Lernte nur noch sporadisch dazu.
Vor allem die Maler in Florenz und Rom verliebten sich in mich und ich posierte für ihre Gemälde, als Heilige, mal auf dem Roost brennend, mal durchbohrt von Pfeilen aber immer küssten sie mich nachher ab. Und immer trug ich auf dem Bild schamvoll ein Tuch um die Lenden. Aber alle kannten mich ohne!

Giorgio Manuelo war ein bekannter Auftragskünstler. War akkreditiert gewesen bei Leonardo und von diesem bei Hof eingeführt worden. Dieser liebte meinen schönen Körper, am liebsten wäre ich ihm splitternackt Modell gestanden. Doch er musste leben von seinen Bildern. Und da die grössten Käufer die Kirchen waren, bin ich immer dargestellt als Engel. Meistens bin ich Gabriel, da meine dunklen feurigen Augen unter meinem blonden Haarschopf hervorstechen. Manchmal waren meine Haare lang und schwarz. Schwarz, weil ich sie mir schwarz färbte. Denn ich bin ja blond und habe braune feurige Augen, die unter dem dicken blonden Büschel meiner blonden Haaren stechen. Ich hätte ihm nicht splitternackt Modell stehen können, denn da hätte man gesehen dass ich einen Penisring, einen Pfahl im After und Klammern über meinen Brustnippel trug! In Kirchen malte mein Maler nur Heilige und Engel. Welcher Engel trägt solche Werkzeuge wie ich? Das ist nur der Teufel! und den malte er nicht in Kirchen. Noch nicht.

Denn ich habe dann viel später in Arezzo mit einem anderen, teuflischen, Maler wirklich verdammte Menschen dargestellt. Einen wunderschönen blonden Mann, nackt, sogar ohne das obligate Tuch um die Lenden, muskulös, blond wie der Krieger aus dem heidnischen Norden, der vom Teufel in die Hölle hinabgeworfen wird. Solange ich in Arezzo wohnte, musste ich immer wieder dorthin und mich anschauen. Damals arbeitete ich bereits in Federicos Atelier als Künstler. Meine Freunde hatten mir viel erzählt von römischen Mythen und Märchen. Von Pan und der Nymphe, und von Zeus und Ganymed was mich besonders faszinierte. Ein Gönner dem ich schöne Augen machte, lehrte mich Latein. lch war jung, interessiert und lernte rasch. Ich las Abschriften von Ovids Metamorphosen, die er mir zugänglich machte. Federico arbeitete schon damals nicht mehr viel. Er sass immer in den Spelunken und soff und diskutierte über die gott- oder (papst-)gewollte Ordnung. Ich hatte gelernt, leidlich gut zu malen. Nicht so brave Sujets wie die Engel vom Angelico (der überdies nur für Frauen schwärmte und dessen Bilder man heute bewundert in den Uffizi. Viele andere gute Künstler liebten sowohl das männliche wie das weibliche. Und den Angelico schätzten wir nicht besonders. Ich malte eher gefährliche Sujets, z.B. den Ganymed mit seinem Ziehvater, oder das lasterhafte Leben auf dem Olymp. Zur Entschärfung des Sujets malten wir noch einen schönen Teufel, mit einem imposanten steifen Glied, einem Rumpf und den Füssen eines Ziegenbocks, der hinter einem Dornenbusch sass und zuschaute. Der Hintergrund war noch Gold, nicht eine Landschaft wie bei späteren Künstler wie Botticello. Das hat erst später, als der Bildersturm vorbei war, ein Kollege von Giotto gebracht. Doch Giotto wurde bekannt und die Bilder des Kollegen sind heute verschollen. Federico unterschrieb die Gemälde und sie waren sehr gefragt von Äbten und dem Bischof und dem Kardinal, die sie in ihren Arbeitszimmern aufhängten. Doch dann kam die Gegenbewegung, die diesen Teufel, diesen Savonarolla an die Spitze schwemmte. Deshalb haben sie ihn eines Tages abgeholt und verurteilt als Ketzer, als die päpstlichen das Übergewicht bekamen in der Stadtverwaltung. Seine (respektive meine) Gemälde und auch diejenigen seiner nicht anpasserischen Kollegen, die in öffentlich zugänglichen Gebäuden hingen, wurden verbrannt. Die privat angeschafften Werke wurden versorgt in den Estrich und sind kaputtgegangen. Denn eigentlich waren wir Künstler immer ketzerisch. Konnten nicht anders. Denn wir wollten uns wieder so ausdrücken wie es unsere illustren Vorfahren getan hatten. Federico ist vergessen heute im 20. Jahrhundert. Und wenn ich nachdenke, welche von den zeitgenössischen heute noch bekannt sind! Eine verschwindend kleine Anzahl. Und nicht einmal die Besten. Es hatte so viele Künstler. Das Künstleretablishment bildete den Nährboden für die Entwicklung zur Freiheit, die dann einsetzte. Und alle haben von allen kopiert. Man musste alles, die Sujets und auch die Farben neu erfinden. Es war keine Selbstverständlichkeit dass die Farben dauerten. Doch es setzte eine grauenhafte Verfolgungsjagd auf uns. Jeder der ein bisschen anders lebte und dachte als der Durchschnitt, wurde verfolgt. Ein Freund nach dem anderen verschwand in den Verliessen. Eines Tages holten sie meinen Maestro ab. Es verlief immer gleich. Die verhafteten wurden verhört und gaben andere Namen als ihre Komplizen an. Aber unser Atelier verblieb unbeschoren. Mein Maestro hatte gute Kontakte zu einem der Stadträten. Er hatte auch schon mit mir geschlafen. Und deshalb konnten wir ihn überzeugen, dass er uns unbehelligt liess. Er war auf der Seite Savonarollas gestanden, als das ganze losging. Doch die Revolution schritt unbeirrt weiter. Einmal würde der ganze Spass vorbei sei, hoffte ich. Doch dann geschah das Unglück. Ein Machtkampf war ausgebrochen. Und der Freund unseres Maestro wurde eingesperrt. Ich bereite mich auf das Schlimmste vor. Und plötzlich kamen die Häscher vorbei, um uns abzuholen. Sie fanden mich nicht, ich war über den Hinterhof entkommen. Ich hatte meinen vorgepackten Rucksack genommen und war zu einem Kollegen geflohen. Doch lange konnte ich nicht versteckt bleiben. Ich musste aus der Stadt raus. Der Freund lebte in einem Haus in der Aussenstadt.

Ich entkam, eines Nachts flüchtete ich, sprang vom Dach hinunter in den Graben und schwamm ans andere Ufer. Ziemlich gefährlich. Kopfüber sprang ich und landete im schmutzigen Wasser. Unter der Oberfläche liess ich mich treiben. Ich wusste, weiter unten mündete das Wasser des Stadtgrabens in einen Fluss. Es trieb mich vorbei an Zwiebelschalen anderen Küchenabfällen und vorbei an Tierkadaver. Ein ganzes Schwein komplett ausgeblutet, trieb an mir vorbei. Wer lässt Schweine ausbluten? Nur eine Sorte Menschen kann sowas machen und jedermann weiss was sie damit bezwecken wollen. Viel weiter unten, ich war bereits mitten in den Felder und kein Mensch war zu sehen, stieg ich aus den Fluten.

Zuerst zu den Franzosen, zum französchen König Franz II der in Paris residierte. Hier war viel Geld und Künstler aus der Toskana waren beliebt. Ich hatte ein Empfehlungsschreiben an einen ohen Günstling. Bald konnte ich an einem Portrait das die Königin in ihrer Privatkapelle malen liess arbeiten. Doch hier war die Atmosphäre eher abhold, die Menschen hatten sich in zwei Gruppen geteilt. Die einen schwörten auf den Papst, sie trugen ein Medaillon des schönen Urban oder war es Johannes? Die anderen schworen auf einen Revoluzger Namens Calvin. Aber alle glaubten, sie seien die richtigen Kinder von Jesus und ermorderten sich gegenseitig um es sich zu bestätigen. Der König aber war eigentlich ein Kind und Maria seine Mutter, die Frau aus der Toskana, befahl ihm was zu tun. Sie versuchte die beiden Lager gegeneinander auszuspielen. Aber es gelang ihr nicht. In der Nacht zu St Bartholomäus ermordeten die sogenannt rechtgläubigen im Namen des Statthalters die Protestanten. Aber daneben auch viele Ausländer die ihnen nicht so genehm waren. Ich hatte am Portrait der Königin gemalt. Die Dame ist nicht besonders hübsch und ich muss um meinen Prinzipien zu genügen realistisch malen. Ich war gerade daran zu malen, am Nachmittag war mir Maria Modell gestanden und war jetzt wieder in ihre Privatgemächer gegangen. Ich blieb lange in die Nacht, weil mir ein Detail einfach nicht gefiel. Da stürzten sich eine Ritter auf mich, zogen mich Ich konnte mich hörte ich unterdrückte Schreie. Schaute zum Fenster heraus. Aber ich hörte Schreie hinter mir, sah noch im Spiegel der an der Staffelei befestigt ist, wie bewaffnete Ritter hineinkamen. Ich wusste sofort: es galt mir. Sie schrien: "Spiesst den ungläubigen Schmierer auf und werft ihn aus dem Fenster. Doch ich war vor ihnen, stieg aus dem Fenster und krabbelte dem Sims entlang bis ins Zimmer des Königs. Der König hatte mich schon mehrmals in seinem Zimmer empfangen und er hatte schon ein gewisses Flair für mich. Ich kroch zu ihm ins Bett. Doch er hustete die ganze Nacht. Und verschied in meinen Armen. Am nächsten Morgen, sobald es ruhiger wurde, schlich ich mich aus dem Palast. Auf den Strassen war es grauenhaft, die Leichen der Ermordeten versperrten alles und begannen schon grauenhaft zu stinken. Jetzt würde sich die Krankheit ausbreiten. Ich beschloss sofort zu gehen denn nichts mehr hielt mich zurück. Die Wachen schliefen ihren Rausch aus. Unbehindert zog ich aus der Stadt und an den Hof von Beaune zum Herzog von Burgund Jean sans Peur.

Ich trug in der Tasche ein Empfehlungsschreiben des verstorbenen Königs an den Herzog. Die Wachen aber liessen mich gar nicht hinein. Als ich höflich anfragte, lachten sie mich aus, packten mich und fesselten mich. Steckten mich direkt in den Kerker. Gott sei Dank war ich schön, leuchtende Augen und einen grazilen Körper. Der Kerkermeister verliebte sich in mich und erlöste mich. Steckte mich direkt in die Küche. Es war offenbar eine Strafe Gottes. Doch ich kann mir helfen. Giovanni lässt sich nie unterkriegen! Der Kerkermeister misshandelte mich, schikanierte mich. Ich konnte es nicht lange aushalten. Da merkte ich, dass der Koch auf mich ein Auge geworfen hatte. Er zog mich in eine Ecke. Wahrscheinlich wollte er mich vergewaltigen. Doch ich griff ihm vor. bot mich ihm an, öffnete seinen Hosenladen und blies ihm eines. Ich blieb beim Koch, dem ich den Hof machte. Ich kochte so gut, dass ich mit einem Adligen anbändeln konnte. Der wurde vom Herzog als Gesandter nach Amsterdam in die Niederlande geschickt. Er nahm mich mit. Nach dem gebirgigen Gebiet in der Toskana erlebte ich die Meeresniederungen.

Die Niederlande wurden ziemlich large geführt von den Burgundern. Sie erbrachten pünktlich ihre Steuern und der Herzog führte sie ziemlich locker. Die Einwohner verdienten ihr Geld als Händler und waren meist in Gilden formiert die die Städten selbständig verwalteten. Dann wurde mein Liebhaber krank und verschied unerwartet. Wieder musste ich damit rechnen einen neuen Herrn zu erhalten, an den ich mich wieder anpassen musste. Ich hatte aber ein Verhältnis zu Pieter aufgebaut. Pieter war ein Kunstmaler, der Kircheninterieurs malte und davon schon einige meinem verstorbenen Baron Pieter de la Roc de Vue sur lac verkauft hatte. Er bekam den Auftrag, den Schwiegersohn meines ehemaligen Liebhabers, Pierre de Courgenay, zu portaitieren. Ich floh wieder und er versteckte mich in seinem Atelier. Doch leben konnten wir so nicht. Wieder ging ich auf Freierfang und stellte mich als Modell zur Verfügung. Doch hier war es schwieriger. Es wurden nicht mehr Heiligenbilder produziert, sondern Landschaften, Kircheninnern. Doch ich verhalf Pieter zu einigen schönen Bilder, die er mit seiner Unterschrift versah und gut verkaufte. Mein toskanischer Stil brachte einen neuen Touch in die Kunst der Holländer. Denn so nannten sich die Einwohner der nördlichen Niederlande.

Doch ich wollte nicht in diesem Land vermodern. Dieses ewig graue Wetter, dieser kalte Westwind, dieser sich nie verziehende Nebel. Diese ewig präsente Feuchtigkeit. Schon jetyt fühlte ich die Gicht in meinen Knien und meinen Fingern. Konnte nichts mehr produzieren dass mich richtig herausforderte. War am Schluss meiner Phantasie angelangt.

Eines Tages sass ich beim Fischerdörfchen Dunkirk am Strand, schaute hinaus aufs laute Meer, die Wogen, die stiegen und sanken, und doch immer weiter rauschten. Es schien mir, als würden Hexen auf ihren Besen dort auf den Schaumwellen reiten. Ich hörte, wie sie mir zuraunten: "Jan," denn dort hiess ich mich Jan, wie alle Giovannis dort heissen. "Jan, Du vermoderst bei diesen satten, trägen Händler. Bald wirst Du auch einen der ihren sein, mit dickem Bauch, gichtigen Fingern, herumsitzend in diesen neumodischen Café's, Cacao trinkend, diese neuartige Pfeife mit Tabak rauchend. Den Kopf leer und nichts sinnierend. Du musst ab und wieder etwas sehen!" Ich erschauderte. Mir schien, dass alle auf mich schauten. mich den andersartigen und hinter meinem Rücken die Frauen munkelten: "Der wird sich schon noch abschmirgeln lassen, wird schon noch werden wie wir sind." Ich musste ab auf neue Abenteuer. Ich kaufte mir einen Platz in einer Karavelle, die in das neue Land, ins China jenseits der Meere segeln sollte. Wir kamen nicht weit. Wir hievten unseren Anker in Amsterdam. Wollten um die britischen Inseln und dann gen Sonnenuntergang segeln. Wie wir endlich so am Cap Finisterre und an der irischen Südküste vorbei segelten war das Meer so stürmisch dass wir weiterhin der Nähe der französischen Küste entlang segelten. In der Biskaya sahen wir weit weg ein Schiff. Es setzte Kurs auf uns. Es verhiess uns nichts Gutes doch wir konnten nicht entweichen. Es waren Galeeren der muselmanischen Spanier, schon von weitem stanken sie nach Blut und Schweiss. Sie waren auf Korsarenfahrt, auf Jagd nach Sklaven und Gold. Dann hissten sie die schwarzen Fahnen und wir wussten, es waren Piraten und wir waren verloren. Wir sprangen ins Wasser, lieber wolten wir sterben als als Sklaven auf dem Markt von Sevilla verkauft zu werden. Wir wurden alle gefangen. Drei Tage später standen wir nackt mit nur einem Lendentuch bekleidet auf dem Podest des Sklavenmarktes in Sevilla. Eine lange Reihe von Männer standen da,die Körper wohlfeil zur Schau gestellt Wohlfeil? Na ja, je nachdem. Einige mit niedriger Stirn, massigem Körperbau und muskulösen Armen wurden gleich ausgesondert und verschwanden angekettet mit einem Händler. Es hatte kein langes Feilschen gegeben. Ein zwei drei gemutterte Wörter, ein Händeklopfen und schon war der Diel abgeschlossen. Nur noch unserer Sechs blieben zurück auf dem Podest. Die mit dem schöneren Brüsten, den glatteren Beinen, den wohlgeformteren Hinterteile. Es kamen jetzt die betuchterten Käufer vorbei, begleitetet von Dienern, die ihnen Luft zufächelteten, voran gingen Herolde, die ihnen den Weg freimachten. Wir wurden besonders begutachtet. Es wurde uns unter das Lendentuch gelangt und mit den schwieligen und wohl nicht viel gewaschenen Händen an den intimsten Stellen betastet, gedruckt, gefühlt und dann je nachdem wie sich das unter dem Tuch entwickelte bewundernd zwischen den Zähnen gezischt. So wie mich zwei Männer begutachteten, ein buckliger Alter und ein junger hagerer mit einem Ziegenbärtchen, ahnte mir Schlimmes. Ich wurde nicht bloss verkauft. Der Auktionator band mich an eine Säulezwang mich mit der Peitsche, beide Hände über meinen Kopf an den Knächeln festgebunden, das Po in den laszivsten Posen umherzuschwenken, während geboten wurde. Bald blieben nur die zwei Anbieter, die sich gegenseitig übertrumpften. Dem Händler schien es nicht genug. Er packte mich los, drückte meinen Oberkörper über einen Zaun der mit einem Teppich ausgelegt war. Mit einer Hand streichelte mir über die Pobacken mit der anderen hielt er etwas langes dickes. Es sah aus wie ein nachfeformter Penis. Die Flüssigkeit, die sie mir vor der Auktion zum Trinken Gegeben hatten begann meine Sinne zu umnebeln. Ich schielte auf den Penis, empfand ein immenses Verlangen, die schöngeformten Hoden zu schlecken, verrenkte meinen Körper bis meine Zunge daran kam. Das war aus irgend einem Leder gefüllt mit harten Bohnen und schmeckte wie parfümiert. Ich schlekte wie wild, so lange schon hatte ich sowas nicht geschleckt. Spürte wie mein eigenes Ding das bereits durch die vorige Prozedur wo es an der gerillten Mastfläche hin und her gerieben wurde noch länger und steifer wurde. Ich Sürte hinter mir die stossweisen Seufzer meiner Ersteigerer während sich mein Körper spante. Plötzlich wurde mir der Penis meinen Lippen entzogen und brutal in meinen Spalt hineingedrückt, er war aus glattem Holz das inmeinem Loch hinein- und hinausgestolen wurde. Mein Körper wand sich um mehr davon zu haben Ich spürte wie es auf meiner Eichel perlt und die Steigerung für meinen Körper ging weiter oder eer stieg immer weiter hinan bis eine bis vorhin noch nicht gehörte stimme eine offensichtlich astronomische Summe ausrief. Alles Schwieg plötzlich und der erhielt en Zuschlag. Ich kam in den Besitz eines maurischen Obristen. Musste ihn befriedigen und hatte einen Job wo ich gut ernährt und ein bequemes Leben führen konnte Mein Herr fuhr an die Front. Hatte Kontakt mit spanischen Offizieren. Sie spielten miteinander. Er verlor mich bei einem Würfelspiel und schenkte mich als Preissklave an einen spanischen Herrn. Dieser spanische Graf hatte einen himmlischen A., den er nicht genug durchbohrt haben wollte. Er nahm mich mit an die Schlacht von Quadalquivir und dort wurde ich ganz gegen meinen Willen zum Helden. Mehr aus tölpelhaftigkeit denn aus Mut stand ich vor der Königin als ein schwarzer Berserker mit einer riesigen Zweihandschwert auf ihr schlagen wollte. Ich bekam von der Seiten einen solchen Schlag auf dem Kopf dass mir schwarz und schwindlig wurde, hielt aber meine Lanze steckengerade vor mir hin, dass er hineingestossen und durchbohrt wurde. Er war auf der Stelle tot, ich hatte ein solches Kopfweh, dass mir nie endgültig vergehen sollte und dass mir das heldenhaft sein endgültig vermieste. Ich kann nie mehr richtig trinken ohne Ringe vor den Augen zu sehen. Doch mein stümperhafte Heldengehabe rettete das Leben der Königin Isabella, und ich wurde noch vor den Toren von Sevilla zum Grafen ernannt. Zum Ritter Giovanni della Rocca Nuevole, war ich bereits vom Grafen von Urbino wegen meiner Heldentaten in der Schlacht gegen Ravenna, wo wir die Gebeine des Heiligen Ruffiamas zurückgeholt hatten, geschlagen worden. und der König schlug mich deshalb zum Marchese dos Marismas, einer sumpfigen Gegend südlich von Sevilla, dass mir der König als Lehen überliess. Sie schlugen mir vor mich in Andalusien niederzulassen, denn in diesen wässerigen Landstrichen könne man das von China herkommende Gras, das sie Reis nennen anpflanzen. Ich versuchte es. Doch ich bin nicht sesshaft und schon gar nicht in der landwirtschaftlichen Zunft. So versuchte ich in diesem reichen, schönen und heissen Land Wurzeln zu schlagen. Ich lebte am Hof und bald entdeckten sie meine künstlerischen und anderen Gaben.
Als Kämmerer des Königs musste ich seine Schösser und Ländereien besichtigen. Machte Ausflüge und auf einem dieser Ausflüge, als ich
die Burg von besichtigte rettete ich Juan de la Pineeda das Leben. Er war gerade im Begriff, sich von der Hohen Zinne in den Burggraben zu stürzen, weinte und schrie den Namen Federico. Ich fand es schade dass dieser schöne Mann sich Gott und seinen Engel zur Verfügung stellte. Ich packte ihn an den Knöchel und als er mich sah, glaubte er einen schönen Engel zu sehen und umarmte mich indem er Rodriguez, Rodriguez murmelte. Wir hatten eine wunderbare Hochzeitsnacht zusammen. Ich dachte: "Wurst um den Hof und blieb in einem meiner Schlösschen. Die Pension des König reichte zum gut leben. Wir lebten gut zusammen, juan, meine Frau, der jugendliche Sklave und Liebhaber Juans. Denn der Sitte zu Liebe heiratete ich die schöne Tochter eines anderen Grandees, die maurisches Blut in den Adern hatte und gebar ihr Kinder. So sage ich es, denn wer weiss ob das wirklich meine Kinder sind. Denn meine Vorlieben hatten sich nicht geändert, in Wirklichkeit liebte ich neben Juan und dem kleinen Liebhaber von Juan den jungen schönen feurigen Bruder meiner Braut. Liess ihr volle Freiheit. Doch ich hielt es nicht lange aus, mit diesem ewigen Kopfweh, dieser Hitze. Ich hatte Heimweh nach den grünen Wiesen, den Tannen und Eschen meiner Heimat. Und vor allem nach Koni.

Ich lernte jemanden kennen, der schreiben konnte. Er schrieb auf mein Diktat einen Brief an Koni wo ich ihn um Vergebung bat. Ich erklärte ihm, wieso ich diesen Priester getötet hatte, sagte ihm, ich wolle zurück zu ihm, ich bräuchte ihn und wenn er mich nicht mhr sehen mochte? Na und! Da würde ich es schätzen wenn er es mit mitteilen würde. Dann würde ich wissen, was ich wert bin und würde ihn für immer und ewig, auch in anderen Leben, in Ruhe lassen. Ein Krieger der in den Norden zurückkehrte, brachte ihm diesen. Und ich erhielt eine Antwort von Koni. Ich zitterte, als mir deKnecht, der eigens für mich den Brief übergab, riss ihn auf! Doch ich konnte ihn nichtt lesen, kann immer noch nicht lesen und schreiben, da es für mich nie wichtig war. Bittete den Boten, es für mich zu lesen. Und was passierte. Viel mir um den Hals. Er sei mein Sohn, Rüdi, von der Erna. Sowas, plötzlch erinnerte er mich an Erna, eine lange hagere reife Frau mit schwarzen, die mich unreifen Jünglng sofort umgarn und ins Bett gezogen hatte. In der Nacht, in der ich verkleidet als Pastor aus dem Zimmer geschlichen hatte und die handgreifliche Einladung nicht abwimmeln konnte. Ich fragte den Namen es Jünglings: Ralf - hauchte er und kniete nieder um mir eins zu blasen. Er war so verliebt in mich, hatte seinen Vater schon überall gesucht und ich fand ihn so attrakiv, mit seinen schwarzen Augen, den rotblonden Haaren, dem madonnenhaft geschnittenen Mund. Er war genau das, von dem ich träumte.Die Antwort Koni's war positiv. Denn sie hatten verschiedenes über diesen Priester erfahren!Sofort liess ich packen, nahm noch einige der schönsten von den Mauren ergatterten Rüstungen und Waffen mit. Ralf kleidete ich in die goldene Rüstung des maurischen Königs von Granada ein, der uner mir aus lauter seelischem Taumel, seinen letzten Atem ausgehaucht hatte. Es war grauenhaft, wie wir heimreisten, Ralf neben mir ausgestreckt in der Kalesche

Und deshalb nehme ich jetzt an Koni's Hochzeit Teil.

Wir legten die Reisen in mehreren Etappen zurück. Besuchten wieder alle Orte wo ich gelebt hatte. Besahen alle Kirchen, wo entweder ich oder mein Künstlermentor gemalt hatten. Ralf bewunderte nicht nur meine Kunst, aber auch, min wunderschöner Körper, wenn ich Muster gestande war.. Schaute nochmal alle Fresken an, wo ich Modell gestanden und die ich gemalt hatte. Doch von denen blieb schon damals nicht mehr viel übrig. Die Farben, die ich mir gemischt hatte, waren alle ausgebleicht. Doch ausbessern mochte ich sie nicht mehr. Sollten sie zu Grunde gehen, auch der Stil den ich gehabt hatte, gefällt mir heute nicht mehr. Und ich stehe nicht mehr dazu, dass der Mensch sich mit Pinsel und Farbe ausdrücken muss. In Spanien kam ich über meine Frau und meinen berühmten Schwiegervater, Marmoussin zur Geheimlehre der Juden, zur Kabbala. Seitdem studiere ich nur noch das. Das materielle Menschenwerk ist nur Verblendung, man muss durch die Seele zum Verständnis des göttlichen Werks kommen.

In Arezzo betrachtete ich meinen schönen jugendlichen Körper, göttlich gemalt vom , wie er sich windet und jeder Muskel hervorsticht. Ich muss zugeben, obwohl das Sünde ist, und vom Papst immer noch als sünde bezeichnet wird, liebe ich meinen Körper wie die Griechen. in Mailand in einem Kloster, bewunderte ich wieder das Meisterwerk meines Liebhabers, Gönners und Freundes Leonardo. Ich bin dort der Lieblingsjünger Johannes, der sich zu seinem Herrn neigt. Es fügt sich gut, dass der Herr zugleich dargestellt ist von meinem seinerzeitigen Liebhaber und Gönner, der Leonardo in meiner Gunst abgelöst hatte. Und der oberste Herr der Kirche hat erfahren, was das für eine Bewandtnis zwischen uns hatte, hat es erfahren in einer unserer Liebesnächte. Und hat es auch als die christlichste Darstellung dieses Letzten Abendmahles angesehen. Den christlichen Vater habe ich kennengernt als mich M in einer Nacht Hals über Kopf verliess um nach Malta zu reisen. Wo er den Iskandreou kennenlernte von dem geschrieben steht in "Iskandreou, der persische junge von Malta".
In Lugano machte wir auch einen Halt. Der Künstler arbeitete immer noch am Fresko. Ich war mitten drin als der Jüngling abgebildet, der unter dem Kreuz meditierend sitzt. Ich gefiel mir wieder. Ich liess mich gealtert als der Abraham der Ralf als Isaak dem Gott opfern wollte. Und jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte Ralf geopfert für meine mickrige Freiheit, war ausgerissen, um nicht gradezustehen für ihn.. Im engen, kahlen Herbergszimmer zwischen unseren zwei Stahlbetten, kniete ich nieder, bat ihn um Verzeihung. Ich weinte, bat um Vergebung, jetzt packte er aus, erzählte mir alles was er erleidet hatte als der kaum geduldete Sprössling des perversen Freundes des Pfarrers. Wie oft er geschlagen wurde wegen mir, wie er stoisch wurde aber mich, seinen unbekannten, fiesen Vater imer liebte. und er zog mich an seine Brust.Giovanni empfing mich und Ralf mit offenen Händen und mit einer feurigen Liebesnacht. Wieder liebten wir uns wie wir uns seinerzeit geliebt hatten. Und zum Abschluss wollte er mich wieder malen in meinem jetzigen Alter. Ich konnte ihn nicht umstimmen. Aber ich konnte ihn überzeugen, dass er mich als unser aller Patron, Schutzheiligen, als den Heiligen Sebastian, abbildete. So bin ich gleich dreimal abgebildet in Lugano. Als Jüngling, als Heiliger Sebastian und als der greise Abraham der seinen Sohn Isaak, meinen Ralf, einer Idee, der Freiheit, opfern wollte und von Gott selbst daran gehindert wurde.
Wie ich es sagte. Ich bin abnorm. Ich liebe es ja, gequält zu werden und wie er mir die Seile um die Oberarme band, dass sie tief in das Fleisch schnitten und wie ich stundenlang an die Säule gebunden, Modell stehen musste und mir vorstellte wie sich die von meinem geliebten G gesandten Pfeile in mein Fleisch bohrten, da versteifte sich mein Hans unter dem gnädig verdeckenden Lendentuch und es bildete sich ein feuchter Fleck auf dem Tuch. War das richtig. Ich weiss es nicht und es interessiert mich nicht.

Im Spätsommer als alle Früchte reifen. machte ich mich auf den Weg in meine geliebte Heimat, mein Inntal. Mit dem Pferd ritt ich durch die Kastanienwälder, hoch über mir die Wipfel der riesigen Bäume, und immer wieder trafen mich die harten Früchte auf Schulter und Kopf.

Hendrik

Ich kam zur Welt, in einer zügigen kalten Scheune, im Spätwinter, oder Vorfrühling, kann man auch sagen, wenn die ersten Krokusse nur gerade mit dem Kopf aus dem bäunlichen schon zum Teil weggeschmolzenen Schnee herausspriessen. Meine Mutter war eine weise Frau. Und sie war gelehrt. Was man im allgeminen den Frauen nicht zutraut. Und sie war schön und gescheit. Nehme ich an, wenigstens. Ich habe sie ja nie gekannt. Nur was die anderen sagen, das glaube ich nicht. Die Leute sagen, sie sei eine Hexe gewesen. Sei hässlich gewesen und krumm Habe herumgehurt mit Soldaten. Habe flüchten müssen weil ich ihr im Wege gewesen sei. Da habe ich eine andere Meinung. Ich habe sie durch mein Verhalten in die Flucht getrieben. Als ich sie biss, in die Nippel, aus Ungeduld, um schnellstmöglich das kostbare Nass in meinen Magen zu pumpen, erschrak sie.. Ich wollte ihr keine Schmerzen bereiten. Sicher noch nicht, unschuldig und klein wie ich noch war. Doch die Leute würden wahrscheinlich sagen dass ich es wollte. Ich bin ja ein Perverser, liebe Männer, und diese sind zu allem fähig. Diese Sorte Mensch ist ja von Gott auf die Welt gestellt, um die normalen zu verführen. Sie muss ja bestraft werden!
Na ja. Ich streife ab. Um zu meinen ersten Tagen zurückzukommen:

Als meine Mutter an ihr heruntersah und sich dachte, wie sie überhaupt noch vor ihrem Jan oder Hendrik dastehen würde wenn ihre Brüste verbissen und schlapp herunterhängen würden, wurde ihr schwindlig. Doch ich hatte zu hastig und viel zu mr genommen. Und als ich, kaum gesättigt, alle ihre Muttermilch erbrach, die ich ihr schmerzhaft aus den Titten erpresst hatte. Da wurde ihr weh und bange, was sie sich mit mir aufgeladen hatte und sie verschwand bevor es zu spät war. Ist ja nur das was ich denke. Meine leibliche Mutter hat nie aber das Thema geredet zu mir. Ich habe mal eine Soldatenmutter, Tarotleserin und Marketenderin getroffen und sofort geliebt, weil ich glaubte anzunehmen dass sie meine Mutter sei. Sie erzählte mir einiges doch als ich die mir überlassenen Karten zeigte und ihr offe fragte ob sie meine Mutter sei, vertröstete sie mich auf den morgigen Tag. Und dann, am nächsten Morgen, war sie verschwunden. Ich könnte mich immer noch schlagen, dass ich mich so überraschen liess Doch dieses schlagen und geschlagen werden, das gehört sowieso zu meiner Natur, wie es mir mein Stiefvater Fritz immer sagte, wenn er heimkam, besoffen, und ich mich hinstellen musste, damit er mich strafen könnte, dafür, dass ich sündig auf die Welt gekommen sei. Deshalb, sagte er, müsse er sich jeden Abend betrinken um zu vergessen dass er einen solchen Kuckuck in seinem Nest aufgenommen habe und da sei ich schuld. Dann wollte er seine Frau vögeln. Die hatte sich aber verbarikadiert in ihrem Zimmer und als Ersatz durchbohrte er mich. Fast jeden Abend. Als ich noch sehr klein war. Und ich liess es mit mir geschehen, bis mich seine Frau rauswarf.

Zurück zu meiner Geburt. Meine Mutter rannte davon. Und ich? ich war noch zu klein um es zu realisieren. Später dann bereute ich, meine Mutter nicht gekannt zu haben und hätte ihr am liebsten Vorwürfe gemacht. Viel Zeit um darüber nachzudenken, hatte ich allerdings nicht, habe mich immer um die Existenz Sorgen machen müssen. Doch jetzt, im Nachhinein, da ich Einsiedler bin und viel Zeit habe nachzudenken, ja jetzt, denke ich, es war ein weiser Entscheid meiner Mutter, wenn ich bedenke, wie Koni, mein Schatz, mein auserwählter, gestraft wurde als er sich in mich verliebte und mich aufnahm.

Genug wurde mir gesagt. als Kind, dass ich froh sein könne, als Bastard überhaupt in einer guten Familie aufgenommen worden zu sein. Bevor sie mit mir niederkam, hatte meine Mutter ihr Tarot zur Hand genommen und Karten gezogen. Sie hatte die Karten selbst bemalt, wunderschön, von Karten kopiert, die ein junger hübscher Zigeuner aus dem sonnigen Südfrankreich gebracht hatten. An jenen Abend, bereitete sie die Karten wie ein Fächer auf ein Tuch aus, das sie immer an einem sicheren Ort aufbewahrte. Sie zog nacheinander den Narren, den Eremit, den Mond, den Magier und dann den Tod. Ritzte alle Nummern fein säuberlich auf ein Stück Holz. Deshalb kenne ich die Karten, die in der kalten Nacht, in der ich geboren wurde, gezogen wurden. Denn von meiner Mutter wurden sie mir nicht mitgeteilt. Wie ich schon sage und mich wiederhole. Kaum hatte sie mich geboren, stahl sie sich hinweg und vergass ihr Tarot, das Tuch und das Stäbchen mitzunehmen.

Ich habe meine Mutter lange nicht gekannt, weiss auch nicht, wie sie heisst. Nur dieses eine Mal glaubte ich sie wiedererkannt zu haben. Aber dann habe ich sie sofort wieder verloren. Erst viel später, als ich als Knecht bei diesem Bauern in Sent gearbeitet habe, hat mich Irene, eine Hexe die im nahen Wald hauste, in dieses Geheimggebiet des Okkulten eingeführt. Erst dann realisierte ich die Wahrheit. Nämlich, dass diese Reihenfolge in der die Karten gezogen wurden, bezeichnend ist für den Lauf meines ganzen Lebens. Alles hat sich in meinem Leben so abgespielt.

Kaum war ich kleiner strampelnder Wicht auf die Welt gekommen und meine Mutter hatte mich an die Brust gezogen, saugte ich mich voll. So voll, dass ich ganz prall voll wurde und meiner Mutters Brust ganz leer und schlapp herunterhing. Doch es ging nicht lange. Ich hatte überstürzt gesaugt. Ich rang nach Atem und es pfiff nur so aus meiner Nase und meinem Mund. Ich konnte nicht schreien, was ich ja hätte tun sollen. Sollte ich sterben? Doch die Natur wollte es nicht so. Ich wurde gelb im Gesicht und erbrach alles auf meiner Mutter Brust. Nach der Darstellung meiner Stiefmutter, die mich gefunden hatte und mich bei ihr aufnahm, war meine Mutter so beleidigt, dass sie mich einfach liegen liess und weglief. Sie war zwar schwach und konnte fast nicht, aber zäh wie sie war (und wie sie es an mich weitergeerbt hat) stand sie trotzdem sofort auf beiden Beine, obwohl gefährlich schwankend und humpelte weg. Doch ich fand sie später wieder, viel später in meinem Leben, als ich bereits in fortgeschrittener Kindheit war, als sie in den Armen eines deutschen Hauptmanns vor Freude stöhnte. Ich störte die beiden bei ihrem Spiel, bettelte um Essen. Der Hauptmann, stolz in seiner rostroten Uniform mit dem dekorierten Tschako, wurde wild, wollte mich mit seinem Schwert wegjagen. Doch die Frau stiess einen schrillen Schrei aus, wurde rot und stellte sich zwischen ihrem Liebhaber und mir. Schmollend verkroch sich der Hauptmann, nahm eine Flasche aus seiner Vestentasche und bald hörten wir ihn Sauflieder singen und rülpsen. Die Frau umarmte mich, was mich in Verlegenheit brachte, denn schon lange stand ich nicht mehr auf dem weiblichen. Sie küsste mich auf den Mund und ich wich zurück neigte sich zu meinem Ohr hinab und flüsterte hinein: "Du bist es, mein Schatz, mein lieber guter, mein Cedric!" War ich nicht, ich kannte diese Frau nicht. Wollte mich still und leise davon machen. Doch sie hatte mich gepackt, ich konnte nicht wegrennen.

Ich schaute sie an. Und dann kam die Erleuchtung. Diese Züge, wie ich sie immer sah in meinem Spiegel. Ich wusste nun, ich war der Sohn dieser Frau, die ich nicht als das bezeichnen will was sie war, nicht irgend so ein Cedic, und offenbar hatte sie mich schon lange gesucht. Ich, der Sohn dieser geschminkten, auffällig gekleideten Hure!

Ich wollte es nicht sein. Doch sie sprach auf mich ein, verstrickte sich immer mehr in diese Wahnidee dass ich dieser Cedric sei, und ich weiss immer noch nicht, wer der ist. Bald begann ich zu begreifen, dass ihre wahre Natur ganz anders war, dass sie trotz ihrer verbrauchten Haut schön war. Zu dieser Zeit war sie allerdings schwerkrank und musste weg zu ihren Hauptmann. Als ich es nicht wollte, vermachte mir das Einzige was sie besass: wieder selbstbemalte Tarotkarten, ein besticktes Taschentuch und einen venezianischen Spiegel. Von Beidem werde ich Ihnen noch berichten. Sie müssen nur Geduld haben. Denn gekannt habe ich diese Frau nie als Mutter, sie hat es nie zugegeben! Während ich ganz in die Kontemplation der Karten gesunken war, schlüpfte weg und hinein ins Zelt des Hauptmanns. Und war am nächsten Morgen verschwunden. Doch gehen wir wieder zurück zum Anfang meines Lebens.

So war ich so allein, nackt und klein, lag auf dem Rücken ausgespannt auf dem Stroh, fror und hatte Hunger. Wenn nicht eine Nachbarin versteckt zugeschaut hätte, wie ich auf Erden niederkam, wäre ich so nackt und allein gestorben. Doch die liebe Irma Meierhans nahm mich mitsamt den Tarotkarten, die meine Mutter in ihrer Eile vergessen hatte mitzunehmen, bei sich auf.

Ich war ganz allein auf Erden, mein Vater hatte meine Mutter bereits verlassen, Mein Vater mit den langen pechschwarzen Haaren und den blauen blitzenden Augen, der aus dem fernen Wikingerland kam und von dem Sternenvolk abstammte, wie ich es mir später selbst erzählte. Es ging ja auch so ein Gerücht umher, im Städtlein, dass ich von diesem Schinderhannes abstammen würde, dem der der Obrigkeit ein Dorn im Auge war, weil er eine Räuberbande im Wald befehligte und das den Reichen gestohlene Geld den Armen weitergab. Doch ob er wirklich mein Vater war, das weiss ich nicht. Denn in der Zwischenzeit, noch als ich in der Strohwiege lag, wurde er aufgegabelt von den Soldaten des Marktgrafen und aufgehängt auf unserem Marktplatz und hat nie was ausgesagt. Das interessierte die Richter, die ihn verhörten, ja auch nicht, welche illegalen Kinder in der Stadt noch von ihm abstammten! Aber mir hat es geschadet. Denn wie der Schinderhannes, so stark, kriegerisch, war ich nie und so oft wurde ich von Kollegen geschlagen. Und wegen dem musste ich mich schliesslich entscheiden auszuwandern, weil ich wegen meinem Nachruf keine Arbeit fand, als Kind.

Die liebe überforderte Irma sagte mir später, als ich nach meinem Vater fragte, um mih abzulenken von meinen selbstvorwürfen (ich glaubte ja, ich sei ein Gangster und machte mir Vorwürfe) und da sie mir immer von meiner Mutter, die im Kopf ein bisschen wirr gewesen sei und vor allem schönen Soldaten die Zukunft weissagte, er sei nach Italien gegangen um sein Glück im Kampf gegen die Papisten zu suchen. Doch ich glaube was anders. Ich glaubte nie dass dieser hässliche, grobe, böse Schinderhannes mein Vater gewesen war. Ich glaube, er war ein Engel von Gott gesandt um den Krieg zu beenden. Er konnte nichts ausrichten hier auf Erden. Er war zurück zu seinem Sternenvolk gegangen, denn was sollte ihn länger aufhalten auf dieser hässlichen, vom Kriege überrollten Erde, mit diesen langweiligen, ewig nörgelnden sich gegenseitig übers Ohr hauenden Leuten. Deshalb habe ich mein ganzes frühes Kindesalter gebraucht, um wie der Eremit auf der Karte, mein früheres Leben im Sternenvolk zu suchen. Gefunden habe ich es nie, aber dafür habe ich Koni getroffen, den ich so über alle Massen liebe.

Doch vorderhand machte ich mir noch keine Gedanken über Mutter und Vater.. Ich war bei Irma in dessen guten Stube, lag in einer Wiege die mit Stroh ausgelegt war. Irmas Mann war Schuster und bei allem liederlichen Gesindel (Ausdruck meiner Stiefmutter!) der ganzen Stadt beliebt. Beliebt, weil, er nicht viel Zeit in seinem Schusteratelier zubrachte, sondern fast den ganzen Tag und die halbe Nacht in den Spelunken zubrachte, wo er den anderen Mitbürger zu Trinken zahlte. Wenn er ihnen was zum Trinken zahlte, hörten sie zu, wie er seine schlechten immergleichen Witze erzählte. Heim kam der liebe Fritz nur, um seine Frau zu schlagen, Das liess sich Irma nicht so lange gefallen. Als ich bereits laufen konnte, verschanzte sie sich im Zimmer wenn sie sein Geplärre hörte. Statt dessen schlug er mich, wenn ich mich nicht rechtzeitig hatte retten können, und das war oft der Fall weil ich stundenlang spielen konnte ohne auf meine Umgebung zu hören und mich vergass. Vielleicht vergass ich mich auch extra, weil ich es liebte, von ihm geschlagen und missbraucht zu werden. Sicher muss es so gewesen sein, denn wieso wäre ich nicht abgehauen wenn es mir das erste Mal nicht gefallen hatte. Als ich im Waisenheim missbraucht und geschlagen wurde, als ich bereits Nicolas kannte, bin ich ja weggerannt. Bevor Fritz dann wieder wegging, nahm er neues Geld aus der Schatulle. Geld war Gott sei dank vorhanden, weil Irmas Vater sehr sparsam und knauserig gewesen war und als Goldschmied viel Geld auf die Seite legte. Irma war die einzige Erbin, da ihr Bruder Immanuel, der vom Grossvater geliebt und gehätschelt wurde, Priester werden wollte und beim Stiftsrat Machialis teuren Privatunterricht genoss. Doch Immanuel liebte es, ein Glas des guten Messeweines zu trinken, manchmal sogar zwei oder Drei oder mehr, bis er ganz belämmert und glücklich wurde. Er brauchte bald mehr flüssigen Stoff, um sich glücklich zu erhalten, als er in der Messweinkanne fand. Und dann fand er heraus, dass es einen Trick gab, das Schloss des Opferstocks zu öffnen. Und beim Händler neue Flaschen guten Weins zum trinken zu kaufen. Lange merkte Machialis nicht, wieso die gläubigen Kirchgänger ihm immer weniger Geld in den Opferstock warfen. Er vermutete, dass ein kleiner Zwerg ihm das Geld stahl. Er empfand ein grosses Bedürfnis, diesen Zwerg kennenzulernen, denn vielleicht könnte dieser ihm zu ungeheurem Reichtum verhelfen. Denn Machialis war nicht nur ein Priester, er las und sammelte ungemein viele Märchen über Zwerge und Elfen. Verschwiegen natürlich, denn wenn seine Vorgesetzten gemerkt hätten, dass er sich mit solchem volkstümlichen Schund befasste, wäre er nicht lange Stiftsrat geblieben. Sobald er den Beschluss gefasst hatte, führte er ihn aus. Er versteckte sich in dunklen Ecken der Kirche, von wo er den Opferstock gut im Auge behalten konnte. Und merkte bald, dass das nicht ein gutmütiger Zwerg war, der das Geld aus dem Opferstock nahm. Es war sein lasterhafter Schüler mit dem göttlichen Namen! Immanuel. So geschah eines Tages das Schlimme. Als Immanuel nach dem Gottesdienst erneut den Opferstock anschlich und das Schloss manipulierte, stand der gute Machialis plötzlich hinter ihm, packte ihm an den Aermeln und beschimpfte ihm. Er wolle ihn den Häschern des städtischen Weibels übergeben, denn er sei ein gewöhnlicher Dieb! Was konnte Immanuel jetzt tun. Er erschlug den guten Machialis. Leider hatten fromme Kirchgänger ihn erkannt, wie er mit blutigem Wams wegrannte. Sie erzählten es den Häschern, und die schlugen ihn in Ketten (wie das später der gute Schiller so gut ausdrücken wird) und bald baumelte er am städtischen Galgen über dem Kreuzweg ausserhalb der Stadt. Nicht auf dem Marktplatz, wie mein sogenannter Vater Schinderhannes, sondern auf ungeweihtem Platz. Der arme Goldschmied starb aus Gram und die gute Irma erbte all das Geld, das der lasterhafte und faule Fritz jetzt vergeudet.

Doch ich hatte es gut bei Irma. Sie liebte mich wirklich. Sie zog mich auf mit Kuhmilch, mit Früchten und Körner. Die Früchte kamen oft wieder als schleimige Flüssigkeit aus mir heraus. Kein schöner Anblick, doch gesund. Und da, wo sie herauskamen, das ist ja das schönste Loch im Menschen. Im männlichen Menschen! Und heute, nein heute, darf mir nichts mehr dort hinauskommen. Immer reinige ich den Ort so, dass der Zutritt sauber ist.

Doch genug, lieber Leser, ich will Dich nicht mehr länger belästigen mit meinen unzüchtigen Sätzen. Das heisst, wenn Du bis dahin gekommen bist. Nein, Dich mit unsäglichem starken Willen, mühsam durch meine schlüpfrigen Sätze bis hierher durchgerungen hast.

Wenn, ja, dann willst Du wahrscheinlich wissen, wie ich aussehe, lieber leser.Ich bin nicht hässlich. Wenn ich mich vergleiche mit dem Fritz, der eine lange krumme Nase, dünne, fast papierdicke schmale Lippen, schielende grünblaue Augen und eine Glatze hat. Und seine Beine, die sich wie ein O auf Wanderschaft (Nicht wie die O auf andere Haft) vorwärtsbewegte. (Die O, sollte ich doch nicht kennen. Aber da verdanke ich es meinem Sternenvolk, meinem Vater, den ich nie kannte und der mich auch nie kennen lernen wollte). Doch halt, Man soll nie über einen Engel urteilen. Vielleicht wollte er mich suchen, aber die Arme waren im gebunden. Unser liebe Hergott verbot es ihm! Denn unser lieber Herrgott liebt es nicht, einzugreifen wenn in seiner Schöpfung Unrecht geschieht. Er weiss wie er gut versteckt hinter dem Dornenstrauch zuschauen kann, wie ein Mensch misshandelt wird! Und diesen nicht verteidigen will. Denn wie gesagt, ihm sind die Hände gebunden! Wahrheit oder Ausrede? Pfui, dem dem etwas anderes als die Wahrheit in den Sinn kommt. Die Priester predigen uns immer das Richtige!

Ich war nie ein übermütiger, selbstsicherer Mensch, wie es der gute Giovanni, Graf delle Nuvole und mein Freund heute, ist. Ich war ein verschlossener, schlaksiger Mensch, immer ängstlich und immer in meinen Träumen verstrickt. Konnte nie zu mir selbst stehen, denn ich schämte mich vor mir. Wieso verstehe ich nicht. Nein, natürlich verstehe ich es. Denn ich war ein gläubiger Junge, ging viel in die Kirche. Und als mir der Pfarrer, und dann auch meine Tante sagte, dass ich sowieso von Gott verhasst sei, weil ich ein ausserehelicher Tropf sei, hasste ich mich. Und fand auch dass es richtig war, wenn Onkel fritz mich schlug und missbrauchte.

Aber bald darauf wurde ich von meiner Stiefmutter herausgeworfen, weil ihr Mann Fritz nicht einverstanden war, dass man so viel Geld für diesen Balg ausgab. Das Geld könnte er für seine Kneipentouren besser brauchen, meinte er. Ich war natürlich auch älter und auch stärker geworden und begann mich doch noch dann und wann aufzulehnen gegen die Behandlung die er mir angedeihen liess. Ich hatte imich auch ein oder zwei Mal erfolgreich verteidigt gegen seiine brutalen Misshandlungen. Und er hatte eine Schramme und eine Beule erhalten und man lachte ihn aus, dass ihn seine Frau schlagen würde.

So stand ich, ohne nichts, in den dreckigsten Lumpen gekleidet in der Gasse. Wo sollte ich jetzt hingehen? Ich wollte meine Mutter suchen. Irrte herum in den Strassen, inmitten der Bettler und Pilger auf dem Wege nach Santiago. Während dieser Zeit bekam ich richtig Lust andere Städte zu sehen. In andere Länder zu reisen. Es gab ja ein Land wo alles üppig wächst, wo gebratene Hühner herumfliegen, wo es nie regnet und schneit. Ich wollte dorthin gehen. Ich schloss mich einer Gruppe Kinder an die bettelten. Doch die wollten nichts von mir wissen. Und als ich mich so irgend einem Bube anschloss, mich eines Nachts richtig an ihn schmiegte wie ich es bei meiner Stiefmutter tat, hat er mich dem Priester verraten. Ich wurde bestraft. nackt, mit einem Lendentuch musste ich am Pranger stehen. Es war Herbst. Die faulen Aepfel und Birnen, aber auch Eier, trafen mich und gerbten Risse in meine Haut. Dann warfen mir eine Bande Lausbuben Steine an. Einer traf mich am Kopf gerade verpasste das Auge um Haaresbreite und ich wurde Ohnmächtig. Wie man mich am Abend abholen wollte, war ich immer noch von Sinnen. Die Henkersknechte banden mich los und warfen mich in den Abfluss der Gasse.

Ein mitleidiger Passant brachte mich in ein Waisenhaus. Es war eine Stftung eines reichen Bischofs der die gottlosen Armen wieder auf den richtigen Weg bringen wollte. Man belehrte mich, dass es Gottes Güte sei, die mich zum Armen gemacht hatte und dass ich dieses Bettlerleben ohne Murren durchzustehen hatte, wollte ich von Gott geliebt sein. Ich wollte nur von irgend jemanden geliebt werden und so machte ich alles mit was sie von mir verlangten. Es war ein religiöses Werk. Zu Ehren irgend einer frommen und heiligen Schwester Berta, die in heidnischer Zeit in dieser Stadt gelebt hatte und den Märtyrertot gestorben war. Sie wollten die von Gott verlassenen die auf der Strasse beteten so umerziehen, dass sie wieder gottgefällig wurden. Es hatte wirklich nette Schwestern darunter. Dann solche Schwestern, die sich bewusst rächen wollten für das was die Väter und Brüder an ihnen Schlechtes getan hatten. Und dann die Sclimmsten, die gar nicht richtig realisierten, dass sie sich rächten. Mir schien, dass sie sich immer an mir rächen wollten. Besonders Schwester Heidenreich, die mich unbewusst zu den höchsten Gefilden der sexuellen Erregung brachte. Mit einem blankscheuernden Waschlappen an meinen intimsten Stellen herumrieb, während sie mit einem krummen Stecken meinen Hintern bearbeitete. Das erste Mal, dass es sich bei mir regte, war sie richtig überrascht und bekam es mit der Angst. Doch dann hat sie gebeichtet und das nächste Mal erschien sie zu zweit zusammen mit dem Beichtvater. Und beide zwangen mich grad zu stehen während sie mich dieser Behandlung unterzogen. Von diesem Moment an hasste ich alle Frauen. Wollte es nur noch mit Männer zu tun haben.

Doch ich wurde zu Faktotum des Waisenhauses. Man wollte mir in diesem Heim meine Flausen austreiben, und Gott allein weiss, dass meine sogenannten Flausen und Sünden wirklich irrelevant waren. Doch sie nannten das, was sie mit mir machten, Erziehung. Aber es war eine Ausnützung. Wenn ich mich nur irgend wie anders benahm als die anderen, wurde ich auf den rechten Pfad zurückgeleitet. Sie dachten sich die erniedrigsten Aufgaben für mich aus und wenn ich über irgend etwas murrte, wurde ich sofort zur Strafe gerufen, ich wurde geschlagen und ich musste alle befriedigen. Ich dachte nach und fand, der einzige Ausweg, dass ich nicht geschlagen wurde, war, dass ich mich sofort anbot alles zu machen wenn sie mich nur nicht straften.

Und was sollte ich nur machen? Natürlich verlangten sie keine schönen Dinge von mir. Und ich erlebte sie bewusster als zur Zeit meines Stiefvaters Fritz. Wieder musste ich sie sexuell befriedigen, so, dass ich ausgenützt wurde und komisch war, dass ich bald sogar Freude daran fand, mich erniedrigen zu lassen. Das ging lange Zeit so. Und ich erduldete und wagte mich nicht zu wehren. Denn dann würden sie mich hinauswerfen Auf die Strasse, den Leuten ausgesetzt die mich wegen meines Vaters Schinderhannes o verfolgten. Eventuell wieder zum Pranger. Nein, schon der Gedanke daran trieb mir den Schweiss in die Poren.

Doch dann ist Nicolas zu uns gestossen.Und das war mein grosses Glück. Denn ich freundete mich schnell an mit ihm an.

Wer war Nicolas?

Ich verliebte mich in ihn, bereits als ich ihn das erste Mal sah, mit seinem herzlichen Lachen, seinen blaugrünen Augen, seinen schwarzen Haaren, seiner dunklen Haut. Wieder einmal war ich das Opferlamm meiner Mitschüler. Ich kniete im Gang, den Rücken ganz in die Ecke gedrückt, die Knie geschlossen um mich vor den unverschämten Händen der Kollegen zu schützen. Sie hatten mich überrascht, wie ich Hans einen liebenden Blick geworfen hatte. Ich hatte nichts getan, hätte ihn eigentlich umarmen wollen doch getraute mich nicht. Doch er hatte mich verpatzt. Er hatte ausgerufen, hatte getan als sei er von mir überrascht worden. Sie hatten mich gepackt, ausgezogen und wollten mich zwingen, ihnen allen separat nacheinander eins zu blasen.

Alles war arrangiert. Hans war ein richtig muskulöser Typ mit breiter Brust, eckigem Kopf, blonden Haaren und blauen Augen. Absolut mein Typ! Ich hatte auf der Toiette onaniert und mir vorgestellt wie er sich vor mir auszog. Und nachher war die Hölle. Wie wenn er meine Session in der Toilette erlebt hätte! Er forderte mich heraus. zwinkerte mir ständig mit den Augen zu, bis ich meine übliche Zurückgehaltung fallen liess und mich ihm gegenüber offenbarte. Doch jetzt war er es, der mich am härtesten anpackte, meine Arme schmerzhaft verrenkte, mich drückte wo es am meisten schmerzte. Es war alles nur eine Finte gewesen und ich kam dran, wurde geschlagen. Ich war ja der lächerliche Aussenseiter und dazu hasste ich es, mich zu wehren. Und gottseidank erschien Nicolas. Er war kein Schlägertyp, er brauchte nur zu sprechen und alle hörten auf ihn. Wurden ruhig wie die Lämmer.

Auch mich nahm er in seinen Bann. Ich schloss mich ihm an. Er war so ganz anders als alle anderen. Er schlug mich nicht, verlangte nicht Sachen von mir, die mich erniedrigten. Ich liebte ihn aufrichtig und er nützte mich nie aus. Das hatte ich noch nie erlebt, es war neu für mich. Früher hatten sie mich gezwungen, mich im Holzkeller über den Holzknecht zu legen und einem den Schwanz zu lecken während mich ein anderer durchdringte. Oder mir mit dem Finger im Anus herumstocherte. Alles unhöfliche Sachen, die man nicht sagt in Gesellschaft, und schon gar nicht in einem Roman für kleine Mädchen. Doch praktiziert wurden diese unschönen Sachen allemal, und werden sicher auch heute noch getan.

Nicolas war älter als ich, er nahm mich unter seine Fittiche. Ich lernte wie schön es sein konnte richtig Lieb zueinander zu sein. Das erste Mal als er mich in Schutz nahm, konnte ich es nicht annehmen. Ich glaubte er hätte es mit einem Hintergedanken gemacht, ich müsste ihm willfährig sein, Ich wollte grade niederknien und mich anbieten. Das, was ich immer gemacht hatte und was mir keine Freude machte. Doch er zog mich zu seinem Kopf hinauf und küsste mich. So schön war es, wie wir uns küssten und uns aneinander rieben. Der andere Teil kam automatisch und war so schön! Wir machten es zusammen, nachts, im Geräteschuppen. Wenn ich sowas hätte machen wollen, sogar Nachts, die hätten mir nachspioniert, hätten es herausgefunden und es dem Priester gemeldet. Ich getraute es nicht, aus mich herauszukommen, es dem zu signalisieren denn ich liebte. Denn die Strafe war immer schlimm. Oder schlimm stellte ich sie mir vor, denn sogar wenn sie mich gezwungen hatten, vor ihnen zu knien, immer teilten sie es dem Priester mit und immer wurde ich gestraft, musste niederknien und Straf-Ave Marias hersagen, wurde dann trotzdem gepeitscht und bei Wasser und Brot in eine kalte Kammer gesperrt.

Die anderen nie. Wenn sie mich verpetzten wurden sie belohnt. Aber wenn ich sie überraschte. Denn auch sie taten Unerlaubtes. Auch wenn es nicht aus dem gleichen Grunde war. Aber manchmal massen sie ihre Pimmel gegenseitig, wichsten zusammen. Ich rannte immer weg, wenn ich sie bei derartigen Spielen zusammen sah. Denn wenn ich was sagte, würden die Leiter mir sowieso nicht glauben. Aber wenn sie mich sahen, obwohl ich nichts getan hatte, und nur ihnen wurde geglaubt!

Doch jetzt wurde alles anders. Nicolas war so beliebt, als starker Kamerad, dass er sich so was erlauben konnte ohne dass ihn jemand je ausspionieren würde. Er wurde mein Schutzengel und mein bester Freund. Ich machte alles für ihn, half ihn dabei, practical jokes zu arrangieren gegen die Kollegen und Lehrer. Sogar die, in die ich so verliebt war wie in Hans. Wir waren unzertrennlich und bald Einzelgänger. Auch die Erwachsenen misstrauten uns. Und dann kam das Unvermeidliche.

Bald wurde die Situation für uns unerträglich. Es wurde hinter unserem Rücken getuschelt und wir wurden immer mehr gehänselt. Nachts konnten wir nicht schlafen. Nicolas erzählte mir sein grosses Geheimnis. Der Heilige Thomas selbst hatte ihn aufgesucht und ihm aufgetragen, zu anderen Knaben zu predigen und sie zu überreden nach Jerusalem zu pilgern und die heilige Stadt von den Ungläubigen zu befreien. Für mich wars ein Problem. Je länger je mehr fühlte ich, dass ich in Nicolas verliebt war. Und dann hatten wir uns ja zusammen geliebt. Obwohl nur das Eine erste Mal. Nachher hatten wir uns niemals getraut. Doch die Aura Nicolas' verblasste. Und wir mussten damit rechnen, dranzukommen. Am nächsten Tag war ein heiliger Sonntag. Wir gingen in die Kirche. Ich wollte beichten. Und als ich im Beichtkäfig sass und dem unbekannten Priester das erzählte, was ich für Nicolas verspürte, jagte er mich zum Teufel. Die Liebe zweier Männer sei des Teufels, sagte er mir. Ich erzählte das Nicolas. Doch er sagte mir, dass ihm der heilige Thomas gesagt habe, dies sei nicht wahr. In Wahrheit habe Jesus den Johannes geliebt, sei aber verheiratet gewesen mit der Maria Magdalena. Und die sei so neidisch gewesen, diese ganze Kreuzigung sei erfunden worden um Christus zu quälen. Mehr als 1500 Mal ist er nun gekreuzigt worden, bloss weil eine Frau neidisch gewesen sei auf ihn. Wir Jungen müssten jetzt nach Jerusalem, die Stadt und das Grab erobern und befreien von den Ungläubigen und die Wahrheit über die schnöde Verleumdung Jesu in der ganzen Welt verbreiten.

Ich war mir nicht ganz sicher ob ich Nicolas wirklich glaubte. Aber die Idee auszureissen aus diesem furchtbaren Heim, war mir so sympathisch dass ich mich sofort entschied mitzumachen. Das Heilige Land, die Stätte Abrahams und unseres Herr wiederzusehn, das wollte ich unbedingt. Und dann war noch die Möglichkeit dass wir über das Land der Griechen nach Levant reisen würden. Und dort, nein da musste ich den Atem anhalten, denn das war es ja wo die Männer sich einst vor urdenklicher Zeit gegenseitig liebten, wie Nicolas und ich. Nicolas war so viel älter und selbstsicherer als ich. Ich freute mich darauf, mit ihm zu reisen. Und vielleicht würden wir auf dem Wege Orte finden wo wir endlich ungestört unsere Gefühle gegeneinande zeigen konnten. Denn es war frustierend. Wir beide liebten uns. Und ich wusste es jetzt, hatte es herausgefunden, dass ich mich auf Nicolas verlassen konnte. Nur es offen zeigen, die Liebe voll auskosten, dieses Gefühl erleben, das durfte ich nicht. Es war eine Todsünde. Und wie ich ja sagte, ich musste höllisch aufpassen, dass ich mich nicht durch Gebärden, ja, Blicke verriet mehr verriet, als ich mich schon verraten hatte. Die ganze Lage war ja für mich vor Nicolas erscheinen höllisch gewesen. Und da hinein, wollte ich nicht wieder geraten. Das wollte es nicht wieder erleben.

Vorerst jedoch waren wir noch in Mainz. Wir hatten schon mal versucht auszureissen. Sie hatten uns beide überrascht auf der St Franziskus Brücke, in der Nacht in der wir ausrissen. Ein Kutscher, der besoffen heim ging vom abendlichen Umtrunk. Entdeckte uns, wie wir Hand in Hand auf dem Gehsteig liefen, ich, der kleinere gelockte, braune Junge die Hand haltend vom grossen aufgeschossen, dünnen Nicolas. Gottseidank hat er uns nicht gesehen, eine Viertelstunde vorher, wie wir uns umarmten und küssten hinter dem Kerzenkandelaber.

Doch wie es so war, hat auch dieser Kutscher, ohne mich vorher gesehen zu haben, meine teuflische Ader hinter meinem unschuldigen Äussern entdeckt. Der Teufel verrät mich immer wieder.

Doch dieser besoffene Kutscher war der richtige Menschenfreund, wie ich sie so kennengelernt habe in den Jahren. Er zwang uns mit ihm heimzugehen. Er fluchte, er würde uns schon noch in ein Heim stecken. Wir sagten ihm nicht dass wir vom Waisenheim her kamen. Doch noch in der gleichen Nacht zwang er mich, den er offensichtlich als den Jüngeren Nicolas vorzog, ihm vor den Augen seiner Frau eines zu blasen. Wir verbrachten die Nacht eingeschlossen in der leeren Vorrätekammer im Keller.

Und am nächsten Morgen holten uns die vom Waisenheim zurück.

Es war ein privates Heim, finanziert von reichen Gönnern, die sich ein gutes Gewissen kaufen wollten. Soldat Schmitz, der gute, hatte bei seinen Söldnerdiensten viel Geld geraubt, hörte auf bevor er zum Invaliden wurde und gründete dieses Heim. Ein Held für den Kaiser! war der gute Schmitz. Vor allem arbeitete er für seinen Geldsack. Wir mussten unseren Unterhalt vedienen, kriegten nicht viel und mussten ihm helfen, den Garten zu machen. Unterem anderen, denn was er von mir verlangte, als er merkte, wohin meine Vorlieben gingen, wie ich gerne männliche Kollegen anschaute, will ich erst gar nicht erzählen.

Doch das zweite Mal, Gott seis gedankt, konnten wir ausreissen. Eines Nachts stiegen wir aus dem Küchenfenster. Wir liefen hintereinander, wie wenn wir uns nicht kennen würden und kamen unbehelligt aus der Stadt. Schon von Heidelberg weg warben wir für unseren Kreuzzug. Wir waren schon eine stattliche Schar ab Frankfurt. Doch leider konnte Nicolas nicht verhindern, dass einige schlimme ältere Jugendliche, aus Räuberbanden, sich uns auch anschlossen.

Wir konnten sie nicht kontrollieren. Sie überfielen Häuser in den Dörfer durch die wir zogen. Bald wurde unser Zug berüchtigt. Einige Soldaten hielten uns an. Als wir ihnen den heiligen Zweck unserer Unternehmung erklärten, lachten sie uns aus. Sie sperrten uns ein. Doch die Räuber, die Freunde derjenigen, die sich uns angeschlossen hatten, befreiten uns. Aber von da an hatten wir keinen Einfluss mehr auf die Leitung. Unser Zug zog plündernd durchs ganze Sündgau bis vor Basel. Die schlossen ihre Tore denn sie wollten uns nicht.

Doch inzwischen hatten wir den Ruf, dass wir Räuber und Marrodeure waren. Der Graf hatte seine Söldner aufgeboten und die griffen uns an. Die älteren Räuber verliessen uns bei Nachteinbruch, schlossen mit den Soldaten ein Abkommen, dass sie freikamen wenn sie uns verrieten. Denn auf uns die, Jungen die religiös motiviert waren, hatten sie es abgefahren. Am Morgen, als der neblige, regnerisch Tag anbrach, wurden wir von Herolde aufgefordert uns sofort zu ergeben. Wir sollten sofort ins Gefägnis gebracht. Der Papst hatte eine Bulle gegen uns geschrieben, wir sollten ins Gefängnis gebracht, gefoltert und als aufwühlerische Ketzer verbrannt werden. Die Stärkeren und Erfahrenen waren ausgerissen. Wir waren grösstenteil Jungen zwischen 6 und 14 Jahren hatten keine Waffen und keine Kampferfahrung. Das Gemetzel dass die Söldner bei uns anrichteten, war immens. Nicolas starb, ich wollte ihn retten, doch er starb in meinen Händen.
Sie nahmen mich gefangen. Einer der Söldner zog mich aus, geisselte mich, zwang mich ihn zu lieben und liess mich liegen für tot, nachdem er mir mit dem Speer in die Magengegend gestochen hatte. Doch ich überlebte. Halbtot schlich ich mich zu einer Hütte die Walde stand. Eine alte Frau nahm mich auf und pflegte mich. Sie war es, die mir das Tarot erklärte, wie ich weiter oben gesagt habe.

Doch neben den Wunden, war da noch eine andere Krankheit, die mir der Soldat zugefügt hatte. Ich lag im Fieber und Koma einige Monate lang.

Als ich endlich gesund war, wusste ich, dass ich nicht mehr nach Griechenland und schon gar nicht nach Jerusalem gehen konnte.

Ich ging weiter über die Pässe, bis ich in dieses schöne Engadin geriet, wo ich mich als Knecht verdingte. Doch meine Mühsale waren damit nicht fertig.


Koni


Unruhig lag der Junge auf dem hohen Bett. Im kleinen Kämmerchen mit der hohen Decke. Er strampelte im Bett, dass das Gestell knirschte, stöhnte, schrie laut nach Clara. Koni stand auf, die Holztreppe knirschte wie er hinabkam. Er starrte auf den Jungen. Dieser hatte seinen Kopf tief ins Kissen hineingedrückt. Er hatte die Decke mit den Beinen zurückgestossen. Ganz nackt lag er da, auf dem Bauch, verkrampft, zitternd von Kälte und von Angst, von Zeit zu Zeit zuckte sein ganzer Körper zusammen von Konvulsionen. Das lange blondrote Haar hing über den langen fragilen Rücken hinab bis zu den Backen und wo die langen eleganten Beine anfingen. Die Arme streckte er nach hinten aus, wie um den Rücken zu schützen mit den feingliedrigen Händen. So sehr ähnelte der Junge seiner Frau Yvonne, die im letzten Sommer weggerannt war. Er hatte sie gesucht, sogar gejagt. Er wollte sie retten, wollte sie nicht strafen, dass sie mit diesem Troubadour weggerannt war. Er hatte die beiden durchs ganze Engadin gejagt. Doch sie hatte so Angst vor ihm, er hatte sie erst wieder gefunden, wie die beiden nicht mehr weiterkamen, eingekesselt auf einem Felsen standen. Er hatte diesen verdammten Verführer, diesen Troubadour, dessen Namen er nicht einmal kannte, mit dem Pfeil getötet und wollte sie holen. Doch sie sprang vom Felsen hinunter. Direkt hinab in die Schlucht. Wenn sie nur ins Wasser fiel, vielleicht würde sie überleben. Er hatte schreien wollen, war zum Ort galoppiert wohin sie gesprungen war. Doch zu spät. Als er endlich auf der Sandbank anlangte, wo ihr Körper ausgesteckt dalag, war sie ganz regungslos. Kein Blut verspritzt, ihr Kopf hing im Wasser und nur aus dem Munde drang ein feiner roter Strich der das Wasser färbte. Ritter Koni sprang vom Pferd, hielt ihren Kopf in die Höhe. Sie war tot, endgültig. Ihre braun-blau-grünen Augen starrten ihn an. So hatte er noch nie in ihre Augen gesehen, und es prägte sich ihm ein. Bald fiel ihr Kopf hintüber, die rutschten zur Seite, so dass fast nur das Weiss sichtbar war. Ritter Koni konnte sich nicht beherrschen, er schrie laut auf und zum ersten Mal in seinem Leben kollerte eine Träne über seine Wangen.

Doch dann war sein Schmerz nicht mehr zurückzuhalten. Er verlor jegliche Beherrschung. Nicht einmal am Begräbnis nahm er teil. Ritt im Gewaltsmarsch zurück nach Ardez und schloss sich mit seinen Waffenknechten. Soff eine Woche lang Tag und Nacht. Nachts nahmen sie die Waffen zur Hand und streiften mordend, vergewaltigend und alle Häuser anzündend durch das Land. Eines Nachts hatte er dieses am Boden kauernde Bündel das sich zu verstecken suchte, geschmiegt an die Wand einer Hütte. Ein Mädchen. Er zog des Bündel hinauf, stellte es auf die Beine, riss die Kleider weg und plötzlich drehte ihm diese das Gesicht zu, ein Junge blickte ihm starr in die Augen. Er konnte nicht wegschauen, war gebannt von diesen grau-grün-blauen Augen, den gleichen, wie diejenigen mit denen ihn seine Yvette so kurz vor dem Sterben angeschaut hatte. Sofort liess Koni ab von ihm, wandte sich weg und liess den Jungen bewusstlos auf die Erde fallen.

Ging wortlos zurück aufs Schloss. Stieg auf die höchste Zinne und verbrachte drei Tage und drei Nächte, zusammengekauert ins Land und ins Dorf hinabschauend. Die gleichen Augen wie Yvette! Und sah gleich aus wie Yvette. Und er hatte so gebetet zu Gott, dort auf dem Strand, dass er ihm Yvette zurückgeben möchte. Und jetzt, gab er ihm einen Jungen zurück. Die Frau hatte er ihm genommen, den Jungen gab er ihm zurück. Wollte er ihn verführen zur Sünde? Sollte er annehmen oder standfest bleiben? Gab es für ihn nachher, wenn er ablehnte noch eine weitere Möglichkeit? Ritter Koni haderte mit Gott. Zu sehr entsprach dies nicht seinen Moralvorstellungen. Er betete und betete, schrie Gott an und schämte sich, geschrieen zu haben. Endlich wusste er es. Wusste er, dass es Gottes Wille war dass er den Jungen anstelle von Yvette pflegen und bei sich aufnehmen sollte. Nach drei Tagen ging er hinab ins Wohnzimmer, rief seine Amme. Sie musste das Terrain auskundschaften. Teilte ihm mit, dass der Junge eigentlich unbekannt war in der Umgebung. War gekommen durchs Inntal vom Tirol, wahrscheinlich. Aber niemand wusste es so richtig. Plötzlich war er dagestanden, hatte Arbeit gesucht. Und der Bauer hatte Mitleid mit ihm gehabt. Hendrik, ja so hiess er. Hendrik war ein fleissiger Knecht, machte jede Arbeit, die man ihm anvertraute. Und schnell und gut. Aber schweigsam war er. Und nichts brachte man in Erfahrung über ihn.

Der Bauer hatte es verstanden, er frug ihn nicht weiter aus. Aber im Dorf liefen die Gerüchte. Er war ein Fremder, unbekannt. Man munkelte er sei einer der Anführer gewesen von diesem Kinderkreuzzug, der von den Söldnern des Kaisers auseinander gesprengt worden war. Er war komisch, ein Teufel, munkelten die Leute.

Und jetzt war er verschwunden. Was war mit ihm passiert? Niemand wusste es so richtig und alle hätten es liebend gerne gewusst. Alle hatten den Raubzug Konis erlebt. Und das machte ihn nicht mehr beliebter bei den Bauern.

Doch das war Koni egal. Nur etwas geisterte in seinem Kopf herum. Liess ihn nicht in Ruhe. Was war mit dem Jungen, diesem Hendrik, passiert. Ein schöner Name, fand Koni. Schön und fremd, wie das Gefühl, das er jetzt in sich verspürte. Aber doch nicht fremd. Nur, eben? Es fielen ihm gewisse Körperteile ein, an die er vorher gar nie gedacht hatte. Die er als notwendiges etwas erlebt hatte, das ihm gewisse Handlungen mit einer Frau erlauben sollte. Und jetzt, jetzt plötzlich dachte er daran, diese Sachen in die Hand zu nehmen oder sogar noch an einen anderen Ort? Ihm schauerte. Solche Gedanken und er hatte sich doch so gerne die Bibel vorlesen lassen. Besonders die Briefe von Paulus und hatte sich entrüstet, wenn Paulus sich entrüstet hatte, über die Gedanken gewisser anormaler Leute. Und jetzt. War er jetzt plötzlich, mitten im Leben, wenn alle Leute an die Erzeugung ihrer Nachkommen denken, anormal geworden. Nein. Das akzeptierte er nicht. Koni war es sich gewöhnt, das alles, was er tat als gut empfunden wurde von seiner Umgebung und dachte deshalb nicht daran, sich selbst an anormal zu empfinden.

Nachdem ihn Koni so plötzlich fahren gelassen hatte, war dieser Hendrik weg. Er war verschwunden.

Aber nach langem Suchen fand die Amme einen Bauern, der nach langem Zögern zugab, wie er gesehen hatte, dass dieser Junge entführt worden war. Er hatte gesehen, wie ein Knecht Koni's den Bewusstlosen aufgehoben, auf sein Ross gehievt, gefesselt und entführt hatte in Richtung einer Höhle wo die verstorbenen Ahnen immer noch herumgeisterten. Und niemand würde freiwillig dort hingehen. Koni war dorthin geritten, hatte seinen Knecht Jan vorgefunden und ihn herausgefordert. Getötet in einem brutalen Duell. Und die Amme hatte den Auftrag erhalten, hineinzugehen, den Jungen mit seltenen Früchten, Traubenwein aus dem Puschlav zu benebeln, hatte ihm ein Binde umgelegt und in einem verschlossenen Bauernwagen gefesselt aufs Schloss gebracht.

Und jetzt ist das Wunder eingetreten. Wirklich! Ritter Koni schaut auf den sich windenden Körper des Jungen. Plötzlich kommt ihm ein Wunsch, diesen herrlichen Hintern mit eigenen Händen zu streicheln, die Narbe, ein Zeichen das ihm dieser verfluchte Jan eingebracht hatte, mit eigenen Händen zu ertasten. Nicht sehr einfühlsam fährt er ihm über die Backen. Doch Hendrik zuckt zusammen, seine Hände stossen ihn weg, er wendet sein ganz verweintes Gesicht ihm zu. Koni kann nicht mehr. Einfach nicht mehr weitermachen. Was hatte er im Sinne? Etwa einen Jungen zu vergewaltigen. Nicht eine Frau, das wäre natürlich gewesen im Mittelalter. Nein, einen Mann vom gleichen Geschlecht.

Ohne Gefühl sein Bedürfnis stillen. Irgend etwas hatte sich in ihm geändert. Er war irgend wie offener geworden für das was die Leute rings um ihn fühlten. Und plötzlich spürte er den Schmerz Hendrik's am eigenen Leib. Wie wenn es sein eigener Schmerz wäre. So feinfühlig war Ritter Koni nie gewesen, er konnte lachend weinende Frauen, die ihn um das Leben des Ehegatten baten, vergewaltigen und dazu auch ihre Kinder wenn sie ihn nur an ein Weib erinnerten. Jetzt hat sich in ihm alles geändert, nie mehr wird er der gleiche wagehalsige Krieger sein wie vorher.

Aber er überlegt es sich. Eigentlich war es bereits dort, wo ihn die grossen, braun-grün-blauen Augen aus diesem am Boden kauernden Häufchen Angst, seiner Yvette, besessen angestarrt hatten. Von dem Moment an war die Welt für Koni nicht mehr die gleiche. Vorher gab's für ihn keine Skrupel. Er reagierte seinen Frust ab mit Schwert, Messer und Keule. Und war der Stärkste und Skrupelloseste. Ganz zum Vorteil von seinen Schatullen und seinem Anwesen.

Doch Yvette ist tot. Er liebt Hendrik. Es wird nie mehr so kommen wie es war. Er ist zum Abnormen geworden! Plötzlich will er nicht mehr. In diesem absurden Spiel mitmachen, dass ihm Gott aufzwingt. Er zieht sich zurück in sein Zimmer und weint.