Roma - Fontana dei Trevi
Jose und ich hatten gestern einen wunderschönen Tag zusammen. Wir besuchten die Villa Farnese, bewunderten den schlafenden Hermaphoditen, spazierten ganz privat und schmiegten uns intim aneinander, wie wir in den weiten komplizierten Gärten herumliefen. Dann gingen wir wieder heim zu José, in die Wohnung von Franco. Wir kochten zusammen. Nach dem Abendessen kam Pietro vorbei für eine Partie Karten und einen Schwatz.
Heute Morgen muss José früh aufstehen. Er hat eine Musiklektion im Konservatorium. Ich bin kurz danach auch aufgestanden und rufe jemandem an bei der Allitalia. Ich möchte einen Flug buchen nach Los Angeles für heute Abend, Abflug frühe Abendstunden, Ankunft frühe Morgenstunden. Bei meinem Freund Ghandarachian kann ich sowieso immer ohne Voranmeldung vorbeikommen und wohnen. Ich werde José voraussichtlich nicht mehr sehen, denn er hat Kurse bis in die Nacht und übt zwischendurch sehr intensiv, aber wie haben abgemacht, dass er auf meinem Schiff, der Cythère, die Semesterferien verbringen wird. Er hat mir versprochen, seine Freundin mitzubringen, von der er träumt. „Freundin“, denke ich. „José soll eine Freundin haben, na, da würde mich aber sehr interessieren, was für eine Freundin das ist.“ Ich glaube zu wissen ist, dass diese Freundin in der Tat ein Freund ist, nämlich der Cyril von Davos, der, scheint’s, auch bei ihm wohnt, aber diese Woche gerade auswärts weilt, in Napoli, glaube ich. Ich habe freie Zeit und spaziere durch Rom. Ich besuche wieder einmal San Paolo Fuori Le Mure, eine Kirche, die ich immer und immer besuchen könnte und besteige den Bus nach Trevi. Nun sitze ich auf einer Bank in der Mitte im Park der Fontana di Trevi und schaue den vielen Touristen zu, die hier spazieren. Ich sehe einige junge Paare, die händchenhaltend auf dem Rand des Brunnens sitzen. Eigentlich langweile ich mich. Ich betrachte den Umschlag des neuesten Buches von Lucenti e Viscontini, das ich eigentlich für den bevorstehenden Flug gekauft habe. Soll ich bereits jetzt mit der Lektüre dieses Kriminalromans beginnen, frage ich mich. Diese Krimis von Lucenti und Viscontini haben mich schon immer fasziniert weil sie sehr tiefgründig, obgleich eigentlich wenig spannend sind und dieser neueste soll gemäss der Kritik alle anderen übertreffen. Nun bemerke ich die junge Frau mit blonden Haaren die ganz allein auf dem Rand des Brunnens sitzt. Eine junge Frau ist es, kaum zwanzig, die traurig ins braune Wasser des Teiches blickt. Will sie den Zustand ihres geschminkten Gesichtes im Wasser nachkontrollieren? Sie hätte es dringend nötig, sich neu zu schminken, denn sie hat offensichtlich geweint und die Tränen sind ihr über das Gesicht gelaufen. Offensichtlich hat sie Kummer, wahrscheinlich, da wir in Italien sind, Liebeskummer. Soll ich zu ihr sitzen und versuchen, sie zu trösten. „Aber Ramon“, sage ich mir. „Seit wann willst gerade Du, den letztlich eine entrüstete Leserin als „Hosenladenjäger“ genannt hat, dem Vernehmen her eine Abwandlung des Begriffes „Schürzenjäger“, den man für die Don Juans unserer heutigen Zeit oftmals gebraucht, eine junge Frau trösten! Du, der ja sowieso schon über die vierzig Jahre zählt, also alt bist! Verzichte darauf, Du ewiger Spinner. Den Italienern wirst Du sowieso nicht Konkurrenz machen können, die sind Dir in dieser Beziehung haushoch überlegen. Schuster, bleib bei Deinen Schuhen und Ramon, bleib bei Deinen Jungs! Denk nur dran, Deine feministische Ethnographin hat Dich verlassen und Du fühlst Dich erleichtert obgleich es Dich wurmt, dass sie Dich entlarvt hat! Ich frage Dich, mein Lieber, willst Du wieder das Gleiche anfangen mit einer Anderen?“ Deshalb vergesse ich die junge Frau und beginne, im Buch zu lesen. Aber plötzlich fällt ein Schatten auf mein Buch. Ich schaue auf. Zwei Jungs sind an mir vorbeigelaufen und sitzen nun nebeneinander auf dem Rand des Beckens. Sie umarmen sich gegenseitig und küssen einander. Die schöne traurige Blonde ist entrüstet aufgestanden und sitzt jetzt neben mir auf dem Bänkchen. Sie stösst, in meine Richtung gewandt, irgendein Schimpfwort aus, in einer fremden Sprache, die ich nicht verstehe. Ich aber schaue gelangweilt drein und bin doch höchst aufgeregt. Natürlich gefallen mir die beiden. Sie gefallen mir um einiges besser als die junge Frau, die sich immer näher auf mich zu bewegt. Der eine der beiden ist ein Afrikaner, stammt offensichtlich aus dem westlichen Afrika. Er hat rabenschwarze Haare, die er zu Zöpfchen gestrickt hat, die nun über seine Schultern hinab hängen. Sein Freund ist weiss und hat blonde Haare, die in langen Wellen über seine Schultern hängen. „Zwei Engel“, sage ich mir „einer schwarz, der andere weiss, Ezrael und Nathanael wird es wohl sein, die sich hier bei den Fontana di Trevi treffen, wo sich alle Verliebten in Rom treffen!“ Natürlich ist das bloss der Deutungsversuch eines Laien. Ich bin kein Theologe, bin nicht Thomas von Aquin, ich kenne mich in Bezug auf die verschiedenen Engel die meist unerkannt um uns herum schwirren nur sehr schlecht aus. Meine einzige Quelle in dieser Beziehung ist das Buch von Anatole France „Der Aufstand der Engel“ das Pflichtlektüre war im Französisch, als ich mich auf die Maturitätsprüfung vorbereitete und das vor langer, langer Zeit. Vielleicht sind die beiden ja Amor und Psyche? Wer wäre dann Amor, der Schwarze mit den Rastazöpfen oder der Weisse mit den langen lockigen Haaren? Die Liebe, besonders diese Art von Liebe, die zu keinem Nachwuchs führt, ist in unserer Kultur eher verschrien als etwas Sündhaftes. Deshalb wäre es naheliegend anzunehmen, dass der dunkelhäutige Amor ist der Psyche zu einer sündhaften Tat verführt, also der Teufel! Zu dieser Auslegung passt, dass der Teufel meist dunkelhäutig dargestellt wird in unserer Kultur. Doch das ist bloss Spekulation. Und dabei fehlen bei beiden die Engelsflügel, die Ezrael und Nathanael, ganz sicher aber auch Amor und Psyche sicher stolz zur Schau trugen, die ein Attribut aller ausserirdischen Wesen darstellen. Übrigens sind auch Amor und Psyche geflügelte Wesen, wie auf dem Bild von Ingres dargestellt, das ich im Louvre oder war es im Museum von Albi gesehen habe. Nein, ich will nicht spekulieren, das mir gebotene Schauspiel ist viel zu schön als ich dazu noch Theorien aufstellen müsste! Denn nun sind der sinnliche Mund mit den breiten Lippen des ebenholzschwarzen Amor auf den dünnen Lippen des weisshäutigen Psyche gelandet und sie küssen einander, vor allen Blicken, lange und ehrfurchtsheischend. Ihre Zungen bohren sich gegenseitig in die mehr oder weniger sauberen Mundhöhlen und sie seufzen und blicken hinauf zum Himmel, und daraus müsste ich eigentlich schliessen, dass sie keine irdische Wesen sind! „Sie erwarten buchstäblich den Segen des Herrn!“ entfährt es mir unwillkürlich und die schöne Blonde schaut mich böse an. Und sie haben ihn verdient, wenn der Herr auf mich hören würde. Es ist ein Traum wenn man einer solchen Idylle zuschauen kann. Abstossend ist nur, dass ich nicht Teil dieses Traums bin! Ich kann den Beiden leider nicht Gesellschaft leisten, obwohl ich zu ihnen gezogen werde, sicher würden sie es nicht gerne sehen, wenn ich sie stören würde. Wenn sich dieser elegante, schwarzlockige italienische Fannullone, ein Dandy, der eher Frauen verführt, in ihre Idylle einmischen würde. Ich wäre als ein Dritter in einer Zweierbeziehung natürlich einer zu viel! Deshalb zieht es mich automatisch näher auf die schöne Blonde zu, die auf der Seite meines Herzes sitzt und die sich, wie ich Egoist natürlich annimmt, von mir angezogen fühlt. Ihr habt’s natürlich gemerkt, meine hoch geschätzten Leser. Ihr, wenigstens, unterschätzt mich nicht, wie es diese wütende Leserbriefschreibende Leserin tat. Denn neben mir sitzt die junge Frau und die starrt auch auf die beiden einander küssenden Liebenden und wird zu mir hinübergezogen von einer unüberwindlichen Kraft, die ich dem Herrn zuschreibe Ich blasphemiere schon wieder meinen Herrn, den Herren aller Juden und Christen. Ich führe ein sündhaftes Leben und natürlich voll bewusst, sodass mir ein ganz sicherer Platz zugesichert worden ist, in einem der untersten Kreisen der Hölle, wie es mir mein Freund Mario, der in Sachen Hölle bewanderte Jesuitenpater bekannt als der Vater Chrysostemus schon oft versichert hat! Und, ja, ich gebe es ja zu: obwohl ich es versuche, kann ich meinem natürlichen Hang zur Sünde nicht widerstehen, und ich habe das gleiche Schicksal verdient, ganz sicher, das dem in seinen Vorlieben mir diametral entgegengesetzte aber doch mir ähnliche Don Juan verdient hat! Nein, tatsächlich, ich kann es Euch versichern, ich der Hosenladenjäger habe mich jetzt mutiert zum Schürzenjäger und in Ermangelung eines männlichen Mundes, drehe ich mich nach links und drücke meine Lippen jetzt auf die vollen roten Lippen meiner jungen Nachbarin, die durch ihre vollen Lippen haucht: „Du mein Liebster!“ In einer Sprache natürlich, die ich nicht verstehe, die mir aber irgendwie bekannt vorkommt. Wahrscheinlich ist es Dänisch. Richtig und jetzt kommt mir wieder wieso diese arme verschnupfte Blonde, die neben mir sitzt, mich an eine ehemalige dänische Liebschaft, eine Ilge, erinnert. Es war an diesem Historikerkongress in Kopenhagen wo ich sie kennenlernte, diese Ilge, wenigstens glaube ich noch, dass sie so hiess, ich führe kein Leporello, wie Don Juan. Sie war eine Koryphäe, was die Geschichte der Vikinger betraf, was mich, den Mykener überhaupt nicht interessierte! Aber wie ich ihren vollen Mund betrachtete, aus dem ihre gescheiten Worte nur so sprudelten, ja, da packte es mich und es dämmerte mir plötzlich was mich interessierte an der Geschichte der Vikinger, dieser Barbaren, die nur Kriegsäxte schwingen und Ruder handhaben konnten, nämlich ihr Hang für alles Weibliche, das einen hinaufzieht, wie es der gute alte Goethe weise gesagt hat! Nun, auch diese Affäre habe ich nun hinter mir gebracht, und damals war ich noch jung, unschuldig sozusagen, vermeinte, dass eine treue Penelope daheim auf mich warten würde, strickend oder häkelnd am Teppich, den sie jede Nacht wieder auseinandernahm und ich wusste nicht, ich doppelt blöder Affe, doppelt wie die kretische Kriegsaxt, der ich nachspürte, dass meine Penelope gleichzeitig im Bett von der Doris götterähnliche Freude erlebte! Die Blondine die neben mir sitzt, sie heisst übrigens Antja und nicht Ilge, wie sie mir zuflüstert, hat sich sicher gerade vorhin untröstlich in einen Italiener verliebt, der sie fallen liess für eine andere, die noch blonder ist als sie, die Zöpfe hat, vielleicht. Ich muss sie trösten, das fällt mir ein, sofort, denn ich bin der Gentleman-Schürzenjäger, der einzige, den es noch gibt, in unserem materialistischem einundzwanzigsten Jahrhundert und der bereit ist, köstliche Zeit aufzuwenden um seine Pflicht zu tun! Sie braucht einen Cicerone, meine ich, einen lieben, schönen, der sie sicher zu allen Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadt führen wird, ihr die vielen interessanten und pikanten Anekdoten, die in dieser ewigen Stadt herumschwirren, erzählen kann. Ich bin ein exzellenter Fremdenführer. Ich weiss viel mehr in der Kunstgeschichte als jeder andere dieser italienischen Schürzenjäger, die mir Konkurrenz machen wollen. Ich bin elegant gekleidet, schön anzusehen wie Adonis, obwohl mir, leider, Engelsflügel fehlen ! Zuerst würde ich ihr das mittelalterliche Rom zeigen, San Paolo fuori le muri, wieder einmal, dann das barocke Rom des Peter und Paul Platzes und das faschistische Rom, das imposante Monument zu Ehren von Mussolini, das die Römer nicht über sich bringen können, abzureissen und dann, am Schluss, versteht sich, das interessanteste aller Roms, das antike erotische Rom, das Gestrüpp des Forum Romanum, die Thermen des Caracalla, der Palast des Nero, wo der lüsterne Schauspieler, Kaiser und Wagenlenker der Grünen (oder waren es die Roten) die Zither zupfte und Gedichte sang hoch über der brennenden Altstadt von Rom ! Ich kenne einen wunderschönen Platz, eine Terrasse, hoch oben über dem antiken Rom, hinter den Ruinen des Tempels der Vestalinnen! Herrlich gelegen ist diese Terrasse, mit Blick auf die Ruinen des Forums, überwuchert mit Gras und Rosen mit einem herrlichen Duft. Nichts Schöneres gibt’s auf der Erde als zu liegen auf einem weichen Tuch, umgeben vom Duft der Rosen und das zu machen, was das schönste ist und war auf dieser unserer schäbigen Welt!
Und hier kann man nur noch träumen über Alles, was sich abspielen wird wie im Traum. Meine Lippen werden liegen auf den Lippen Ilges, meine Zunge wird auf Exkursion sein in ihrer Rachenhöhle! Ich träume, denn so schön kann’s nicht sein in der Realität wie in diesem Traum. Unser Liebesstündchen bei den Vestalinnen ist vorbei. Wir haben Rom näher kennengelernt und sitzen auf der steinernen Bank auf einer der vielen Terrassen in den Borromeotreppen, unsere Beine sind ineinanderverkeilt, unsere Oberkörper sind zueinandergewandt und eng aneinandergeschmiegt, unsere Zungen sind auf Exkursion in unseren Rachen! Unten tobt der Verkehr. Hier oben ist es himmlisch ruhig und duftet nach Rosen. Den ganzen Morgen und über Mittag sind wir gelaufen, über die vielen Strassen, uns umarmend. Jetzt erholen wir uns hoch über dem lärmenden Verkehr der modernen ewigen Stadt. Und den heissen Nachmittag verbringen wir im kühlen Garten einer Trattoria, irgendwo in der Nähe Tibers dessen Fluten leider nicht rauschen, denn es hat fast kein Wasser im Flussbett, im Quartier von Trastevere, dampfende Spaghetti mit scharfer Tomatensauce vor uns, einen kühlen Weisswein schlürfend. Die Handharmonika spielt ein alter Zigeuner und ein languider Italiener mit schwarzen Locken singt napolitanische Lieder, wir tanzen zusammen. Liegen dann hinter die Sträucher, betten uns in die Rosen und beenden den Tag. Doch plötzlich wache ich auf, mitten in diesem schönen Traum. „Mein Flug!“ denke ich. Ich schaue auf die Uhr. Es ist schon fünf Uhr. In einer und einer halben Stunde wird mein Flugzeug nach Los Angeles starten und ich muss noch zum Flughafen Leonardo Da Vinci fahren. Ich habe keine Zeit, mich höflich zu verabschieden. Soll ich mich einfach wegschleichen auf die englische oder wenn man so will, die französische Art. Und natürlich will ich nur kein langes Abschiedstheater, kein Tränenvergiessen. Wir werden uns eh nie mehr sehen!
Doch nur keine Aufregung. Wie ich aufwache, sitze ich auf der Bank auf dem Platz von der Fontane di Trevi und Amor und Psyche sind eng umschlungen immer noch in meinem Blickfeld. Die sehnsüchtigen Augen von Ilge, nein Antja, ruhen auf mir!
Ich habe noch Stunden vor mir bevor ich wegfliege. Die will ich nicht lesend verbringen, dafür werde ich noch genug Zeit haben, im Flugzeug, denn die langweiligen Filme, die sie geben während dem Fluge, schaue ich mir sowieso nie an. Oder soll ich arbeiten! Nein danke, das wäre noch schlimmer. Ich weiss, ich weiss, mein Sekretär sucht mich schon seit Stunden, es hat irgend so ein Problem in einer der Schulen meiner Stiftung, heisst es, in der SMS-Nachricht auf meinem Handy. Nein, das wäre das Letzte, was ich haben möchte! Ich merke, schräg aus meinen Augen blickend, dass jemand anderer bereits gemerkt hat, dass eine Nixe auf meiner Bank darauf wartet, von einem mutigen Ritter befreit zu werden. Zwar muss auch dieser Retter gemerkt haben dass sie bereits einen Ritter gefunden. Der neue Ritter aber hat gemerkt, dass dieser Don Juan, der sie eben erst heiss geküsst hat, sich von ihr abwendet und die beiden scharwenzelnden Jungs auf dem Brunnenrand ein bisschen zu intensiv anguckt. Die schöne Antja verzieht ihre Mundwinkel. Dieser schwarzhaarige, dunkeläugige zweite Don Juan, Enrico nenne ich ihn mal, gekleidet in einen dunkeln Anzug, mit weissem Hemd ohne Kravatte, kommt jetzt mit schlurfenden Schritten auf uns zu. Er erscheint mir als ein gefährlicher Konkurrent, da er bedeutend jünger ist als ich. Sicher, die Kleider, die er trägt, sind nicht so modisch und teuer wie die meinen, ich trage einen weissen Armany Slumber, modisch zerrissene Jeans, alles aus der Boutique, eine Austernschalenkette um den Hals und daran befestigt eine kleine zierliche Mandoline aus Weissgold, die mir José in jener ausgefallenen Boutique in Trastevere gekauft hat. Die Kleider, die er trägt, sind ab der Stange, seine Schuhe sind zwar elegant aber auch nicht dunkelschwarz und langgezogen wie diejenigen, die ich gestern bei Franco in der Boutique gekauft habe. Wenn es darum geht, herauszufinden, wer der Tüchtigere ist von uns beiden, wer mehr Erfolg hat, da, und dessen bin ich mir sicher, würde er den kürzeren ziehen. Doch da ist als eine Hypothek mein Auftreten, mein Gang mit den wippenden Hüften, mein schlenkernder Schritt, mein ein bisschen zu süsses Lächeln, das alles eher die Attribute einer ein bisschen verspielten Flöte vom anderen Ufer und so gar unmacho. Und diese Art die ich habe, schöne Jungs fast zu eindringlich zu betrachten! Aber ich bin trotzdem optimistisch, was meine Chancen betrifft, denn diese Mädchen aus dem Norden haben Vorurteile gegen italienische Dandies, die sie als zu wenig seriös einstufen, sie lieben gemäss meiner Erfahrungen mehr die reiferen Männer meines Alters. Und ich habe Vorteile gegenüber meinem Konkurrent, ich bin in meinem Vorhaben bereits jetzt weiter gekommen als mein Konkurrent, dem schönen Enrico, ich sitze eng geschmiegt an die Schöne, Blonde, ich habe ihre vollen Lippen bereits gekostet. Ich vergesse Amor und Psyche, hier habe ich bereits keine Chancen mehr. Ich wende mich voll meiner schönen blonden Antja zu.
Ich beschliesse mein profundes Wissen und meinen exquisiten Charme voll in die Waagschale zu werfen. Ich schaue ihr tief in die Augen, die, ich realisiere es an passant, dunkelblau sind, fast schwarz schon und erzähle ihr des Langen und Breiten die ganze Geschichte des Brunnens an dem wird sitzen. Ich fange an mit der Vorgeschichte, als der Brunnen noch eine natürliche Quelle war, als Äneas hier sass, einen Tag nachdem seine Flotte von Troja her kommend italienischen Boden berührt hatte hier im gelobten Land das reine Wasser trank, dann erzähle ich ihr über die schöne Poppea, die Muse des Dichterkaisers Nero, die während der Kaiserzeit oft hierhin kam, um ihr unwiderstehliches Profil im reinen Wasser zu betrachten und komme schliesslich in die Zeit der Herrschaft der Päpste, als einer jener christlichen Kardinäle den Brunnen zur Ehre seiner Courtisane, der schönen Maria, bauen liess. Dann erzähle ich ihr, wir er entweiht wurde, als der fette Kardinal sich in diesem Brunnen ertränkte, aus Liebeskummer natürlich, wieder wegen der gleichen Kurtisane. Antja glaubt mir alles und ich kann auch überzeugend erzählen. Ein Teil meiner Geschichten ist aber reinste Fantasie von mir, das gebe ich zu. Es ist immer schön, finde ich, wenn man einige nicht ganz moralische Anekdoten in die wahre Geschichte spinnt! Das macht die Geschichte interessanter. Eine andere Anekdote, die erzählt wird über diesen Brunnen, nämlich, dass ein reicher Kardinal diesen Brunnen bauen liess, um den Armen Roms sauberes Wasser zu beschaffen, lasse ich aus. Sie scheint mir zu unglaubwürdig. Auch ein weiteres Detail, nämlich das, dass der dicke Kardinal, der sich ertränkte, gemäss den Legenden nicht aus Liebeskummer so handelte, sondern ganz banal besoffen war nach einem Banquet, und auf dem Heimweg in den Brunnen fiel, lasse ich aus denn die Geschichte ist mir zu unmoralisch, denn man munkelt, dass dieser Kardinal dem Brunnen als eine nackte Nixe mit langen welligen blonden Haaren entstiegen ist. Es ist sattsam bekannt, dass Ramon Gandarian dauernd über die Religion und deren Vertreter her zieht, böse und zynisch meist und diesmal möchte ich damit lieber nicht besonders brillieren. Aber das füge ich noch an, die Anekdote, etwas, das historisch überhaupt nicht nachgewiesen ist aber in unserer Zeit sehr beliebt ist, nämlich die Behauptung, im mittelalterlichen Rom hätten die Juden den Brunnen vergiftet und deshalb sei die halbe Bevölkerung Roms an der Pest gestorben. Ich füge hinzu, mit nach oben gekehrten Augen, damit man nicht sieht, dass es keine Tränen hat darin, dass diese armen Wesen aus dem von Gott erwählten Volk deswegen gefoltert und öffentlich verbrannt wurden. Das ist nötig, hier, um zu erreichen, damit entsprechend grosse, schwere Tränen den schönen dunkelblauen, fast schwarzen Kolleraugen Antja entspringen, fast, würde ich sagen, wie wenn der Tiber nicht weiter oben, in den Apenninen entspringen würde, sondern hier, in den ehemals sumpfigen Niederungen der Tiberebene. Während ich ihr all dies erzähle, rückt sie immer näher auf mich zu, sie, die sich von mir ostentativ abgewendet hatte, als sie merkte, dass ich so intensiv Amor und Psyche während ihren zärtlichen Wallungen betrachtete. Nun kuschelt sie sich wieder an mich. Ich bin stolz über meine Verführungskunst und ich bin sicher, dass ich meinen Konkurrenten geschlagen habe. Er entfernt sich wieder, unverrichteter Dinge. Ich schaue intensiv in die dunkelblauen, fast schwarzen tränenreichen Augen meiner blonden Verehrerin, in deren Iris es so intensiv funkelt wie die Sterne der Milchstrasse am Nachthimmel, spitze meinen Mund und drücke ihn auf ihre vollen, dunkelroten Lippen, einmal mehr, natürlich und diesmal, glaube ich, endgültig zum letzten Mal auf dieser Bank. Gleichzeitig streichle ich mit meinen Beinen über ihre Lenden. Doch dann kommt die kalte Dusche, in Form einer älteren runzeligen Frau auf uns zu. Sie hält neben meiner schönen Antja, neigt sich zu ihr hinab und zischt ihr etwas ins Ohr. Antja errötet. Ich höre noch, wie diese hässliche Spielverderberin ihr, diesmal laut, so dass ich es hören kann, mitteilt, dass das römische Antiquenmuseum oder so etwas uninteressantes, langweiliges offen ist jetzt und dass die Gruppe dorthin gehen will. Die Schöne steht auf, nickt mir zu, kalt und abwesend, und verschwindet, Arm in Arm mit der alten Chaise, den Weg hinab spazierend auf den Ausgang zu. Wieder bin ich auf mich allein gestellt um mich zu langweilen. Amor und Psyche turteln weiter, mein Konkurrent, der italienische Dandy, schaut mich schadenfreudig an.
Mit einem tiefen Seufzer wende ich mich wieder meinem Buch zu, damit dieser freche Typ merkt, dass ich nicht so dandyhaft bin wie er. Aber ich komme nicht weit. Ich werde gestört durch einen lauten Streit, der sich zwischen den beiden turtelnden Jungs entfacht hat. Wieder blicke ich auf sie. Sie schimpfen auf Italienisch laut miteinander und schliesslich steht der mit den langen blonden Haaren auf und entfernt sich, sichtlich verärgert. Der schwarze, krauslockige, mit den Rastazöpfen, bleibt zurück. Er sitzt auf dem Brunnenrand und schaut bekümmert auf die Seerosen. Interesselos, müde, blickt er ins braune Wasser des Brunnens. Schliesslich frage ich mich: „Ist er vielleicht aus auf die Geldstücke, die reingeworfen wurden von den Römern, damit die Götter, wahrscheinlich vor allem Bacchus, ihnen wohl gesinnt sind?“. Ein böser Gedanke und ich schäme mich, natürlich! Nein, ich will es nicht so weit kommen lassen und diesen reinen Geist, Amor nannte ich ihn vorhin, der schnöden materialistischen Habsucht überführen, bevor ich ihn überhaupt näher kennengelernt habe. Nein, wahrscheinlich bläst er Trübsal, nachdem ihn der blonde so schnöde verlassen hat und schaut traurig in die braunen Fluten. Das darf er aber nicht, meine ich, denn seine Schönheit würde darunter leiden. Ich, der Antipode zum Don Juan, kann ihn nicht leiden sehen. Und es ist eine Sünde, dazu. Ein Gleichgesinnter ist so nahe bei ihm, bläst auch Trübsal weil er schnöde verlassen wurde durch die Antja und er, der Schöne, Himmlische, bläst Trübsal und wird hässlich dabei. „Nein, “ sage ich mir, „ich muss zu ihm, ihn trösten, ihn befreien von diesem Wahn, es gäbe nur ein einziges Wesen auf dieser grossen weiten Welt, das ihn befreien kann vom Lebensschmerz und ihn glücklich machen kann!“ Und was bleibt mir, jetzt, nachdem mich Antja so unerwartet und unerfüllt verlassen hat? „Eher die Sünde zwischen David und Absalom“, denke ich mir, „als die einsame Sünde des Noah!“ Die Bibel nämlich, behaupte ich, die kenne ich! Wenn man zu einer Erkenntnis gekommen ist, muss man zu deren Realisierung schreiten. Wenn man sich endlich dazu überwunden hat, etwas Gutes zu tun, in diesem schnöden Jammertal, in dem wir leben, muss man handeln, schnell und zielgerecht, im vorgegebenen Sinne.
Ein junges Zigeunermädchen, das Rosen verkauft, kommt vorbei. Ich kaufe ihr eine Rose, mehrere wären zuviel in dieser Situation und schlendere auf meinen ebenholzfarbenen Amor zu. Doch wie ich ihm auf die Schulter klopfe und ihm die Rose überreiche, beachtet er mich einfach nicht. Er lässt meine Liebesrose schnöde ins Wasser fallen und sie schwimmt in der braunen Brühe umgeben von Wasserringen. Von mir, der ihn verliebt betrachtet, wendet er sich ab und starrt nun auf die Rose. Fast will mir das Lächeln auf den Lippen erlöschen. Ich sage jetzt, böse und hinterhältig: „Oh mein Gott. Jetzt kannst Du nicht einmal mehr die Geldstücke sehen auf dem Grund des Bassins. Ich bücke mich und lehne mich übers Wasser um die Rose herauszufischen, die gefährlich weit geschwommen ist. Jetzt reagiert er. Irgendwie hat er meine Ironie gemerkt stört sich daran. Er sagt : „Nein, nein, lassen Sie das. Es ist mein Fehler. Ich hole Sie raus.“ Gleichzeitig mit mir neigt er sich übers Wasser, streckt seinen Oberkörper hinaus übers Wasser, gefährlich weit hinaus, um mit der Hand die Rose packen zu können. Sein Gesicht und mein Gesicht spiegeln sich im Wasser, unsere Abbilder liegen aufeinander. Ich lächle ihn an und werfe ihm Kusshändchen zu. Er ist irgendwie überrascht und verliert das Gleichgewicht. Ich kann ihn gerade noch rechtzeitig zurückhalten an seinem Hosenbund und umarme ihn nun. Doch ich will nicht so aufdringlich scheinen und ihn küssen, wie vorhin die Antja, so ein überschnelles Handeln, meine ich, ist in diesem Fall, der mir bedeutend näher liegt, mich mehr berührt, nicht angebracht. Tiefe Bekanntschaften muss man langsam anknüpfen, das Füchslein muss den kleinen Prinzen vorerst lange anschauen ohne ihn geradewegs anzusprechen, damit die Freundschaft dauern kann, das weiss ich aus der Lektüre von Saint Exupéry! Wir kommen bald in ein Gespräch und beschliessen, einen Rundgang durch Rom zu machen. Denn Hassan, wie mein Amor heisst, ist Tourist, kommt aus der fernen Goldküste von Afrika und kennt Rom nicht. Ich, der gewiefte Fremdenführer, biete mich ihm an. Wir gehen zum beliebtesten Relikt aus der Zeit er Römer, dem grossen Fuss des Kaisers Trajan, dem einzigen, was noch übriggeblieben ist von einer riesigen Statue dieses grössenwahnsinnigen Kaisers. Er nähert sich, lehnt sich ausgestreckt an den Nagel der grossen Zehe, und ich kann mich nicht lösen vom Blick der sich mir anbietet von seinen mageren Lenden in den enganliegenden Jeans. Ich versuche mir vorzustellen, wie es sich so aufbäumt, das Dingsda, in wilder Erregung, zwischen den Beinen und phantasiere dabei wie ich mich hinab neige und daran schlecke. Trägt er vielleicht einen Ring um seinen Penis wie es Cyril trug? Entschuldigen Sie diese obszönen Bemerkungen, das ist es halt, mit so perversen Lüstlingen wie ich einer bin, sie kennen die Grenzen der höflichen Berichterstattung nicht.
Meine kleine Kamera klickt unaufhörlich, während ich um ihn herum tänzle und immer bessere Aufnahmen machen möchte vom interessantesten Teil meines kleinen Amor. Ich tue natürlich so, als würde ich den grossen Zehen des ehrgeizigen Kaisers fotografieren, aber ich nehme an, dass nicht einmal er, ganz besonders er nicht, so dumm ist, das zu glauben. Er sonnt sich darin, daran zu denken, dass sein Körper mich so fasziniert, denke ich! Er lacht hell auf wie er realisiert, welchen Teil seines Körpers mich so interessiert. Aber sein schönster Körperteil ist immer noch eng umschlungen und unsichtbar eingepackt in seine engen Jeans. Ich hoffe insgeheim, da ich selbst mich nicht getraue, Trajan selbst, der grosse römische Kaiser, würde meine Sehnsüchte bemerken und hinabsteigen vom Himmel, in den ihn die Götter noch in der Antike gezogen haben, um den Verschluss dieser ärgerlichen Hosen aufzubrechen! Natürlich fallen wir auf. Ein älteres Paar, englische Touristen sind es, dreht sich auch um den Fuss und betrachtet das Stück eindringlich, zu eindringlich, scheint mir. Sie stören mich, diese Spinner. Sie sollen uns endlich allein lassen, meine ich. Nun, ich muss handeln, von selbst kommen sie nicht darauf, dass sie stören. Ich schlendere auf sie zu und beginne damit, der Dame alles im Detail zu erklären was sie sieht, erkläre ihr wie der Zehennagel geschnitten wurden, wieviele Rissen und Schrammen es darin hat, wie die Blasen im Fuss des grossen Kaisers darauf hinweisen, dass Trajan ein fleissiger Wanderer war, und strecke meine ausgestreckte Hand mit nach oben gekehrter Handfläche ihrem Begleiter zu, in der Haltung, die die Fremdenführer Roms so oft einnehmen, wenn sie die Entschädigung erwarten für ihre Bemühungen. Was ich mir erhoffte findet statt. Der Engländer hat nicht den geringsten Wunsch, so einem unwissenden, fantasievollen Cicerone, der gleichzeitig seiner Frau den Hof macht, wie er es annimmt, weil er kein Italienisch versteht, Trinkgeld zu geben. Er packt seine Frau an der Hand und verschwindet so schnell als möglich, ohne etwas zu sagen. Endlich sind wir allein. Nun kann ich meinen schwarzen Amor endlich streicheln wo ich ihn gerne streicheln möchte. Da kein Kaiser Trajan aus dem Himmel hinab kommt um mir zu helfen, muss ich selbst handeln. Er erregt sich, wie ich es erwartete, schnell. Ich streichle die Oberschenkel meines Amors und bald ist der Schlitz offen und das ebenholzschwarze Ding, das mich so anzieht, lugt daraus hervor und ich ich freue mich darauf, es zu schlecken. Leider sind wir nicht lange ungestört. Denn schon kommen die nächsten Touristen. Eine ganze Gruppe japanischer Touristen, die untereinander schäkern als sei ein Hühnerhof unterwegs. Ihre Kameras klicken unaufhörlich und sie schäkern miteinander in ihrer unverständlichen Sprache in hohen Stimmlagen, wie wenn ein ganzer Hühnerhof unterwegs sei. „Was habe ich Gott getan“, frage ich mich, „dass er mich so auf die Folter spannt.“ Dass ich nicht einen kurzen Moment habe, um vom meinem Amor endlich profitieren zu können ist ein Frust. Es ist zuviel des Guten. Hier, in Rom, gibt keine Privatsphäre für Liebende, es ist wie zur Römerzeit als die Via Appia überfüllt war mit den Touristen aus Gallien und Graecia, als Catus der Ältere schimpfte: „Oh Rom, wohin gehst Du!“ Die Leute haben schon wegen weniger um sich herum geschossen und getötet. Doch hier ist es so, dass ich gar nicht um mich schiessen könnte, denn meine Schiesseisen habe ich daheim gelassen! Ich bin selber schuld. Eine jener Kutschen die eigentlich nur Touristen nehmen, kommt vorbei und schon sitzen wir drin, obschon es sündhaft teuer ist und flüchten Richtung Tivoli, wo wir den The trinken, unter dem Zeltdach und endlich Ruhe haben um zu flirten unter dem fliessenden Wasser der Fontänen. Wir tanzen unter den fliessenden Wasserfällen und arbeiten uns vor, vom Eingang immer weiter gegen das Zentrum des Parks. Hier gibt es Grottos und Wasserfälle, gleiche Wäldchen, in denen wir uns verstecken können, um nicht vor allen Augen miteinander spielen zu müssen. Nur die Statuen von Amor, Bachus, Apollon, Aphrodite und Diana stehen umher und sehen uns zu während wir miteinander flirten. Wir streicheln uns gegenseitig über den ganzen Körper und küssen einander, streicheln mit unseren offenen Handflächen über alle intimen, interessanten Stellen unserer Körper. Es geht zu wie in einem Schäfergedicht aus dem Altertum. Endlich sind wir weit weg von den aufregenden Massen, an der Grenze des Parks angelangt, stehen unter Bäumen, und da steht ein marmorner Brunnen, überragt von der Statue eines Amors, der uns zuwinkt. Dieser Brunnen ist ganz verdeckt von den hohen Bäumen und den Büschen. Wir steigen hinein, küssen einander. Wir merken es kaum, dass wir direkt unter dem herabfallenden Wasser des Springbrunnes stehen. Unsere Kleider sind bald durchtränkt vom Wasser und kleben an unseren Körpern, wir fühlen alle die intimsten Stellen unserer Körper wie wir einander gegenseitig abtasten. Die Ecken und Runden die auch wir haben, können wir bedeutend besser fühlen, jetzt. Endlich ziehen wir die Kleider ab und werfen sie auf eine marmorne Bank, die unter dem Brunnen steht. Wir schlecken uns das Wasser ab vom Gesicht und löschen unseren Durst. Dann steigen wir aus dem Brunnen und wollen uns anziehen. Die Kleider, aber, sind pudelnass, so können wir sie nicht anziehen. Wir müssen sie an die Sonne legen, damit sie trocknen. Das wird eh schnell passieren, denn es ist Mittag und sehr heiss. Und wir brauchen sie noch nicht sofort, denn wir sind eh in Wallung und erhitzt und können uns nicht dazu zwingen, aufzuhören. In den Bäumen, wo wir jetzt sind, sind wir gut versteckt und die Lichtung wo der Brunnen steht, ist im Baedeker nicht aufgeführt. Auch den Besuch von Wächtern müssen wir nicht befürchten. Die Lichtung, in der wir uns jetzt befinden, ist relativ weit weg von der Bar am Eingang, wo die Wächter meist anzutreffen sind. Vielleicht habe ich demjenigen mit der grössten Medaille auf dem Hut auch ein bedeutendes Trinkgeld gegeben, damit er uns in Ruhe lässt, doch das ist mir jetzt entfallen. Denn er sollte mich eigentlich, da ich oft mit Freunden hierherkomme, eigentlich kennen und wissen, dass ich es nicht gern habe, gestört zu werden. Nackt wie uns Gott geschaffen hat, liegen wir unter den Bäumen auf dem Graus und kuscheln uns aneinander um wieder warm zu werden und unsere Haut gegenseitig zu fühlen. Ich schaue meinem schwarzen Adionis in die Augen und frage ihn, offen und frech: „Wie heisst Du, mein Schatz, den Amor bist Du nicht, dazu bist zu viel zu schön.“ Er haucht, zwischen zwei Küssen: „Ich bin Adriano! Dich kenne ich, Du brauchst Dich nicht vorzustellen. Du bist der Ramon Gandarian, von dem Pietro immer so schwärmt!“ Adriano's ebenholzschwarze Haut fühlt sich sanft an wie Samt und seine Haare sind weich wie Seide.
So vergeht die Zeit. Wir dösen so hin, schlafen einer im Arm des anderen ein. Plötzlich erwache ich, weil vor ferne Kirchenglocken läuten. Ich zähle die Schläge. Schon fünf Uhr. Jetzt ist’s höchste Zeit. Mein Flugzeug wird in knapp eineinhalb Stunden abheben! Ich muss sputen, wenn ich es nicht verpassen will. Ich wecke Adriano und wir ziehen unsere Kleider an und rennen zum Ausgang. Ich nehme ein Taxi und das bringt mich direkt zum Flughafen. Hier verabschiede ich mich endgültig von Adriano. Wir umarmen uns, können uns nicht genug küssen und streicheln, schwören uns gegenseitig ewige Treue und verabschieden uns. Ich gebe ihm die Visitenkarte von Franco wo José wohnt. Eigentlich war es ein Fehler und ich realisiere es erst bei meinem nächsten Besuch, als mir Franco erzählt, dass seine ganze Wohnung ausgeräumt wurde! Doch für den Moment schöpfe ich keinen Verdacht, ich denke mir, dass wir uns wieder sehen werden, wenn ich mal wieder José besuchen werde in Rom! Der Chauffeur hat zwar den Kopf geschüttelt ob unserem wilden Tun doch er ist zufrieden, so Touristen die einem ein so schönes Trinkgeld hinterlassen, kann auch ein römischer Taxifahrer nicht jeden Tag chauffieren. Adriano aber ist untröstlich traurig, dass ich ihn verlasse. Er möchte eigentlich am liebsten mit mir in die Staaten fliegen, denn dort ist ja das Paradies! Ich will ihm Geld geben, blöd eigentlich von mir, denn es entheiligt unsere ganze Affäre. Er winkt ab, will mein Geld nicht, Gott sei Dank. Wir verabschieden uns endgültig in der Check-In-Halle. Das Gepäck wurde bereits von Francos Portier direkt zum Flughafen gebracht. Während dem Flug, der so langweilig ist wie diese Flüge überhaupt, bereue ich es, ihn nicht mitgenommen zu haben. Der Platz neben mir ist sowieso leer wie überhaupt das ganze Flugzeug nur etwa zur Hälfte belegt ist. Und ich weiss auch nicht, dass Adriano Francos Visitenkarte noch am Flughafen in Tausend Stücke gerissen und weggeworfen hat in den Papierkorb, weil er so verärgert war, dass ich ihn so abrupt verlassen habe. Er war es also nicht, der in Francos Wohnung eingebrochen ist. Ich weiss das, weil mir José am Telefon erzählte, dass er ihm zufälligerweise in Roms Strassen begegnet ist und er ihn dann mit auf die Cythère gebracht hat. Adriano, der Beniner, hat eine abenteuerliche Reise hinter sich, von Cotonou, wo er als armer Fischerjunge am verhungern war, weil er keine Arbeit fand, bis nach Rom und dann in die Karibik, wo die Cythère kreuzt. Seine Geschichte werde ich auch mal erzählen müssen, aber später.
Ich fliege natürlich nach Los Angeles weil ich Kolja suche, der ausgerissen ist und weil ich weiss, dass Kolja die Westküste der USA liebt und davon träumt, in Hollywood eine Starkarriere zu machen, der ewige Träumer, der er ist.